Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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512
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Lessiugs Briefe. 1778.

ein satirisches Stück, um den Kampfplatz mit Hohngelächtcr zu ver-lassen. Es wird ein so rührendes Stück, als ich nur immer gcuiachrhabe, und Herr Moses hat ganz recht geurtheilt, daß sich Spott undLachen zu dem Tone nicht schicken würde, den ich in meinem letztenBlatte angestimmt (und den Du auch in dieser Folge beobachtet fin-den wirst), falls ich nicht etwa die ganze Streitigkeit aufgeben wollte.Aber dazu habe ich noch ganz und gar keine Lust, und er soll schonsehen, daß ich meiner eigenen Sache durch diesen dramatischen Absprungim geringsten nicht schade.

Hast Du schon die Epistel eines Layen gelesen, in welcher MoseSfür den Verfasser des Zweckes Jesu und seiner Jünger ausgegebenwird? Ich wollte, daß das Ding nicht so gar elend wäre, damit ersich dagegen vertheidigen könnte. Vielleicht wird die Beschuldigungallgemeiner, und ich werde herzlich lachen, wenn er endlich gezwungenist, seinen ehrlichen Namen zu retten.

Daß Theophilus eine bessere Versorgung bekommen, freuet michvon Herzen. Ich habe seit langer Zeit weder an ihn, noch an dieSchwester geschrieben. Denn es ist mir unmöglich gewesen, eS so zuthun, wie ich gern gewollt hatte. Da ich meine Stiefkinder noch beymir habe, und eine so weilläuftige und kostbare Wirthschaft führenmuß, so bin ich selbst oft in größern Verlegenheiten, als sie gewißnicht seyn können. Dazu habe ich itzt keinen Menschen mehr hier,dem ich mich vertrauen, oder auf dessen Beystand ich mich allenfallsverlassen könnte. .

Meine Ankündigung des Nathan habe ich nirgends hingeschickt,als nach Hamburg . Sonst überall, wenn Du willst, kannst Du DeinNetz für mich aufstellen. Ich besorgt schon, daß auch auf diesemWege, auf welchem so Viele etwas gemacht haben, ich nichts machenwerde; wenn weine Freunde für mich nicht thätiger sind, als ich selbst.Aber wenn sie es auch sind: so ist vielleicht das Pferd verhungert,ehe der Hafer reif geworden.

Meinen Ernst und Falk wollte ich Dir gern beylegen, wenn ichnicht glauben dürfte, daß Du ihn schon gelesen, und ein Exemplarvon ihm das Porto nach Berlin werth wäre. Indeß, was sagst Dudazu? Und was hörst Du Andere davon sagen?

Schreibe mir bald wieder und lebe recht wohl.

Gotthold.