Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
514
Einzelbild herunterladen
 

614

LessingS Briefe, 1778.

sucht, als den Leuten das Maul aufzusperren. Denn so dächtest Dunun ganz gewiß sehr falsch.

Mein Nathan , wie mir Professor Schmid und vschenburg bezeu-gen können, ist ein Stück, welches ich schon vor drey Jahren, gleichnach meiner Furückkunft von der Reise, vollends aufs Reine bringenund drucken lassen wollen. Ich habe es jetzt nur wieder vorgesucht,weil mir auf einmal beyfiel, daß ich, nach einigen kleinen Verandarungen des Plans, dem Feinde auf einer andern Seile damit in dieFlanke fallen könne. Mit diesen Veränderungen bin ich nun zu Rande,und mein Stuck ist so vollkommen fertig, als nur immer eins vonmeinen Stucken fertig gewesen, wenn ich sie drucken zu lassen anfing.Gleichwohl will ich noch bis Weyhnachten daran flicken, poliren, underst zu Weyhnachten anfangen, alles aufs Reine zu schreiben, undü mesure abdrucken zu lassen, daß ich unfehlbar auf der Ostermessedamit erscheinen kann. Früher habe ich damit nie erscheinen wollen;denn Tu erinnerst Dich doch wohl, daß ich in meiner Ankündigungzu Weyhnachten vorher die Zahl der Subscribenten zu wissen ver-langt habe.

Und also wäre der Sine Punkt, über den Herr Voß gewiß seynmöchte, ohne alle Schwierigkeit. Ostern 1779 ist mein Stück gedruckt,und wenn auch nicht zwanzig Personen darauf subscribirt hätten;und wenn ich cS für mein eigenes Geld müßte drucken lassen.

Auch könnte ich über den zweyten Punkt ihn völlig beruhigen.Mein Stück hat mir uusern jetzigen Schwarzröcken nichts zu thun;und ich will ihm den Weg nicht selbst verhauen, endlich doch einmalaufs Theater zu kommen, wenn es auch erst »ach hundert Jahrenwäre. Die Theologen aller geoffenbarten Religionen werden freylichinnerlich darauf schimpfen; doch dawider sich öffentlich zu erklären,werden sie wohl bleiben lassen.

Aber nun sage mir, was will eigentlich Herr Voß? Durch wel>ches neue Avertisscment glaubt er mir den besagten Vortheil schaffenzu können? Dieser Vortheil würde mir allerdings sehr willkommenseyn; denn ich bin nie ein Feind vom Gelde gewesen, und jetzt binich es am allerwenigsten. Den Besitz meines Stücks nach derSubscription habe ich ihm, von Anfang an, zugedacht.

Nur mit dem Pränumeriren möchte ich gern nichts zu thun haben.Denn wenn ich nun plötzlich stürbe? So bliebe ich vielleicht tausendLeuten einem jeden einen Gulden schuldig, deren jeder für zehn Tha-ler auf mich schimpfen würde. Und wozu auch? Geld bis zu Osternbrauche ich freylich, und die Sorge es anzuschaffen, wird mich oft