LcssiiijZs Briefe, 1779.
WaS meine Krankheit anbelangt, die darf ich Ihnen wohl nichtbeschreiben. Ich bin versichert/ wir würden beyde sehr gesunde Leutescvn, wenn wir eben so viel Schritte machten, als Buchstaben. Ein-ander alle halbe Jahre einmal zu Fuße zu besuchen, das wäre meinVorschlag. Gleichwohl bilde ich mir ein, daß Zerstreuung und Auf-heiterung mir noch mehr fehlt, als Ihnen. Ihre Wünsche schiebe ichIhnen ganz wieder zurück: denn was ist das Leben, wenn man denGenuß desselben so auSmäkeln muß?
Hierbei kömmt endlich die Fortsetzung meiner Freimäurergespräche,von der mir Elise einmal geschrieben, daß Sie solche für einen Freundzu haben wünschten. Sie steht sehr gern zu Jedermanns Einsicht zuDienste. Nur würde cS mir empfindlich seyn, wenn sie ohne meinVorwisscn abgeschrieben oder gedruckt würde. Ich habe dem HerzogeFerdinand versprochen, beydes ohne sein Vorwissen selbst nicht zuthun? und er würde mir nimmermehr glauben, wenn eS geschähe, daßes ohne mein Zuthun geschehen wäre.
Leben Sie recht wohl, und fahren Sie recht fleißig fort — ver-steht sich, so fleißig, als es mit Ihrem Wohlleben bestehen kann —rohe Menschen lieber bilden, als schon gebildete umbilden zu wollen.Auch geschieht dieses vielleicht am besten, wenn man nur jenes zu thunsich anstellt.
Ich empfehle mich Ihrer Frau Gemahlin und der Gemeinde.Wenn ich mir jetzt einmal wünsche, Linsen, mein Lieblingsgericht,zu essen, so ist immer ein zweiter Wunsch dabei, cS in Ihrer Gesell-schaft zu essen.
An Karl G. Lcssing.
Wolfcnbüttel, den 12. Dec. 1779.
Mein lieber Bruder,
Unsere letzten Briefe müssen sich unterwegcs getroffen haben, undeS ist mir lieb, daß Du also aus meinem eher, als Du den Deinenbey mir angelangt zu seyn glauben konntest, wirst ersehen haben, wielingcgründet Deine Bcsorgniß ist; ich hätte bald gesagt, wie ungerecht.Ich habe weiter nichts hinzuzufügen, als daß ich Dir nun auch denAuftrag mit dem Pelze erlasse. Ich werde mich ohnedies diesen Win-ter nicht weit von Hause verlieren, und brauche ihn so nothwen-dig nicht.