Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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532
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LessingS Briefe. 1779.

gewesen; und ich glaubte schon, daß sich mein alter Gefährte, dashitzige Fieber, wieder zu mir finden würde. Aber doch hat er es nochwieder absagen lassen; und cS war nur eine Botschaft von diesem Bo-ten. Ich fühle mich von Tag zu Tag besser, und hoffe künftige Wochegewiß nach Braunschweig zu kommen. Aber, daß Sie ja nicht glau-ben, daß ich mir hiermit Ihren Besuch auf morgen verbitte. Viel-mehr bitte ich Sie darum recht sehr. Ich will Ihnen auch die kleineEntdeckung zeigen, und mitgeben, die ich über das alte Lehrgedicht ge-macht habe. Ein ostensibles Bciefchen darüber schreiben, mochte ichwohl so bald nicht können.

Ich lese in den Altonaer Zeitungen, daß unser Lcisewiiz die Le-bensläufe in aufsteigender Linie geschrieben hat, wovon bereits derzweite Band heraus ist. ES ist doch unrecht, daß er uns gar nichtsdavon sagt. Setzen Sie ihm doch die Daumschrauben auf; undwenn er gesteht, so bringen Sie mir das Buch mit.

An Karl G. Lcssing.

Wolfenbüttcl, den 22. Julius 1779.

Mein lieber Bruder,

Ich wünsche Dir zu Deiner Veränderung, die eine gute Verbes-serung zu seyn nicht ermangeln kann, viel Glück. Und so hatteDein Stillschweigen eine angenehmere Ursache, als meinS. Denn ichwar krank die ganze Zeit über; und habe mich auch noch nicht völligso erholt, daß ich nicht noch immer alle Tage ein Paar Stnnden aufdem Bette zubringen müßte.

Gotthold.

An Campc.

Wolfcnbüttel, d. o. Nov. 1779.

Die Bezeugung Ihres Beyfalls, theuerster Freund, kam mir ineinem der Augenblicke, in welchen mir ein solcher Beyfall allmählichanfängt, sehr nothig zu werden. Desto mehr danke ich Ihnen dafür.Er hatte dadurch, daß er nur schriftlich kam, bey mir nichts verloren.Man würde es im Drucke doch nur eine profane Accommodation einerohnedies schon apokryphischcn Stelle genannt haben, und kein Tadelist empfindlicher, als der, welchen man einem gutgemeinten, aber über-triebenen Lobe, gleich an die Seite stellt.