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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lcssing. 1756. 3

ein Sendschreiben an den Hrn.M. Lessing einkleiden, damit Sie wenigstens,wenn Sie meiiicllcbersetzung nicht lesen wollen, nur meinen Anhang lesensollen. Sie werden ja wohl einen Brief lesen, der an Sie gerichtet ist?

Wo haben Sie des D. Gumperz") Manuscript? Liegt es irgendbey dem Hrn. M. Naumann?

seyt, nebst Betrachtungen über desselben Meinung von demUrsprünge der Sprache. In Moses Mendelssohns Leben und Meinun-gen (Hamburg 1787.) finde ich diese Ucbersetzung nicht erwähnt; und willdaher ihr wirkliches Daseyn erneuen. Rarl G- Lessing.

*) D. Aaron Salomon Gumperz aus Berlin gebürtig, ein Arztjüdischer Nation, und ein sehr guter Mathematiker. Er und Israel Zamoscwaren die ersten, welche den Geschmack an den Wissenschaften unter den Judenzu Berlin empor zu bringen suchte». Israel Zamosc war Schulmeister inBerlin , ein armer Mann, aber ein sehr trefflicher Kopf und großer Mathe-matiker, der durch eignes Nachdenken die wichtigsten Demonstrationen erfand,auch viel poetisches Genie zur hebräischen Poesie halte. Er ward, wie alleReformatoren, von den Juden sehr verfolgt, mußte daher mehrmals vonBerlin »ach Polen und von Polen nach Berlin wandern. In seinem Alterward er melancholisch, weil ihm die Verfolgungen zu sehr zu Herzen gingen.Er starb 1770 in Polen . Israel Zamosc verstand keine Sprache alshebräisch. Er hat das Verdienst, des Dr. Gumperz Geisteskräfte entwickeltzu haben. Der letztere verstand die neuern Sprachen, war dabey ei» reicherMann, und halte durch alle diese Umstände mehr Einfluß, und weniger Ver-folgung zu befürchten. Herr von Bcausobrc (der nachher Mitglied der Aka-demie und Geheimer Rath ward, und nun schon gestorben ist), war von1744 bis 1748 auf dem Zoachimsthalischc» Gymnasium in Berlin , und warmit Gumperz bekannt. Gumperz besuchte daselbst ihn und einige andere fä-hige junge Leute, die über philosophische Materien zu ihrer Uebung disputie-ren. Gumperz »ahm Moses Mendelssohn zu diesen Zusammenkünfte», derdamal eifrig suchte mit der neuern Philosophie etwas bekannter zu werden,und sich so wohl in der deutschen als in der lateinischen Sprache etwas zuüben, weil er in beiden damal noch ein Anfänger warC).

Moses mußte alle Kräfte seines Geistes durch eigenes Bestreben ent-wickeln; denn eigentlich hatte er gar keine Anweisung. Er lernte in seiner

(*) Dem vortrefflichen Moses ward es anfänglich sebr schwer, sich indeutscher Sprache geschmeidig auszudrücken. Er arbeitete unglaublich, umdie Natur dieser Sprache, die ihm gar nicht Muttersprache war, nach undnach recht zu fassen. Um so viel bewundernswürdiger ist es, da er allesdurch eignen Fleiß finden mnßtc, daß er bcv riniger'Ucbttng so starke Fort-schrille machte. Zm I, 1766, da er doch schon treffliche wissenschaftlicheKenntnisse balle, übersetzt- er I. I. Rousseau's Buch vom Ursprüngeder Ungleichheit unter den Menschen, auch in der Absicht, um sichim Schreiben der deutschen Sprache zu üben. Die Ucbersctzung ist sebr gut;denn Moses hatte Rousseau's schöne Schreibart vor sich, und studirte jede»

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