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hätte ihm hinterbracht, Sie wollten in Leipzig eine Hofmeifiersielle an^nehmen. Ich sagte, es wäre nicht andern, und Sie wollten aufOstern wieder hierher kommen. Machen Sie mich ja nicht zum Lüg-ner, das bitte. Sie. Jedoch ich muß schließe», denn wo ich erstdas Blatt umwcnc so schreibe ich es auch ganz gewiß voll. Ichbin, denke ich,
Ihr
Denken Sie ja nicht an die kleine Höflichkeit, mir die Briefewiederum zu frankiren. So wahr ich Ihr Freund bin, ich nehmekeinen postfreycn Brief von Ihnen an. Schreiben Sie nur so flei-ßig, als ich es wünsche.
Liebster Freund!
Ich habe eine Stunde frey, und wenn ich eine Stunde frey habe,so bin ich gewohnt eS Hrn. Lessing empfinden z» lassen, vigo <^c.Führen Sie die Schlußrede selber aus. Wir schonen Geister müssenniemahls Geduld genug haben, Schlüsse zu machen, oder wir sind inGefahr — vernünftig zu denken.
Voltaire muß sich gewiß niemahls dieser Gefahr blos gestellt ha-ben, sonst würde er nimmermehr einen so elenden Brief an Rousseau geschrieben haben. Der tolle Poet! sagten Sie in Ihrem letzte»Schreiben, siehet alles von der drollige» Seite an. Ganz gewiß, lieb-ster Freund! vornehmlich ein Voltaire, der die ganze Natur für eineBoufonnerie hält. Indessen bin ich doch entschlossen, diesen Briefmit zu übersetzen. Wollen doch einige gern ihre Bäuche schütteln,nachdem sie ein wenig ernsthaft ausgesehen haben. Lassen Sie Vol-tairen immer die lustige Person mache». Rousseau ist doch tragisch genug.
Wo sind Sie, liebster Lcssing! mit Ihrem bürgerlichen Trauer-spiele? Ich möchte eS nicht gern bey dem Nahmen nennen, denn ichzweifle, ob Sie ihm den Nahmen Faust lassen werden. (5ine einzigeExclamation, o Fausius! FaustuS! könnte das ganze Parterre lachenwachen. Wieder ein Rathgeber, werden Sie sagen, der gar keinenBeruf dazu hat? Nun wohl! So lassen Sie es immer dabey. Ichwill alsdenn das Vergnügen haben, selbst mit dem Leipziger Parterrezu lachen, und Sie bey jedem Gelächter sich entflammen zu sehen.