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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
11
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Briefe an Messing. 1756.

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Als der nächtliche Uhu Todesschrecken in die Stadt hineinheulte -c.

So wollte ich das Lehrgedicht anfangen, davon wir mit einander red-ten, aber Herr Zachariä hat mir diesen neuen Ausdruck weggenommen.

Als der Hahn Freude in das Dorf hinein krähte ,c.Hat dieser scherzhafte epische Sänger nicht eine Salyre auf die JahrS-zeiten machen wollen? Dafür hätte er lieber können spayieren wan-deln. Auch ich will jetzt weg wandeln, und zwar zu dem Hrn. Prof.Sulzer , der sonst auf das Gymnasium wandeln könnte. Leben Siewohl, thenrester und bester Freund.

MoseS.

Berlin den 7. Tcc. 1756.

Werthester Freund!

Sie wögen antworten oder nicht; so sollen Sie deswegen nichteine einzige Zeile mehr oder weniger von mir bekommen: das merkenSie sich! lind dieses will ich mir merken, daß das menschliche Herzvon der besondern Freundschaft immer etwas nachläßt, je allgemeineres wird. Ich hätte nicht sollen sagen Herz, der menschlicheGeist hätte sich besser geschickt; denn dieser wird wirklich bey Ihnendesto allgemeiner, je mehr Sie die gelehrte Well auf seine Früchtewarten lassen. Nun wohl, mein liebster Freund! Wenn Sie IhreZeit besser anzuwenden entschlossen find, als an Ihre berlinischenFreunde zu schreiben, so müssen wir es zufrieden seyn. Wenn Sieaber in der Gesellschaft der ich weiß selbst nicht recht, wie ich esheraus bringe» soll; aber ich fürchte immer etwas, seitdem ich vondem Hrn. v. Breilenbauch vernommen, Sie lebten allda unter denSchauspielern. Ich habe eine sehr gute Meinung von diesen Leuten,aber der beständige Umgang mit ihnen ich will mich deutlicher er-klären der beständige Umgang mit denjenigen, die erst in denneuern Zeiten die Freyheit erhalten haben, auf der Schaubühne zu er-scheinen, machet, daß ich nicht sehr ruhig seyn kann, weil ich immerbesorge, Sie hätten hier ruhiger seyn können, als in einer solchengeschäftigen Gesellschaft. Verzeihen Sie meiner Kühnheit, liebsterFreund! Ich kann nicht anders als freymülhig seyn, ob dieses gleicheben Ihr Fehler nicht zu seyn scheinet.

Sollte es aber wirklich nicht, ich will nur sagen, nachlässig vonIhnen sey», daß Sie uns so lange, wegen Ihres Befindens, wegenIhrer Verrichtungen, wegen Ihrer Art zu leben, in Ungewißheit las-sen? Nur diese Frage beantworten Sie mir, wie cS Ihnen beliebt,