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von Ihnen ans. Wenn Sie alles gutheißen werden, so werde ichganz gewiß glauben. Sie haben gar nichts davon gelesen, mid war-lich! Sie müßten meine Gemüthsart gar nicht kennen, wen» Siedieses für ein bloßes Kompliment halten sollten.
Ich wünsche mir einen einzigen Tag bey Ihnen zuzubringen, undwenn Sie Ihre Reise nicht werden hier durch nehmen wollen oder kön-nen, so bitte ich sehr, mich es wissen zu lassen. Ich komme vielleichtalsdenn zur Ostermesse blos Jhrentwegeu nach Leipzig .
Herr Boß beschweret sich ungemein über Sie, daß Sie ihm nichtantworten. Sie werden doch wohl die 6 Stück von Pope ein Me-taphysiker nunmehr erhalten haben, die er Ihnen schon langst zugc-geschickt hatte?
Diese kleine Piece soll in den melsnges littoraires Ihnen zuge-schrieben seyn. Ich habe cS aber selbst noch nicht darinn gelesen,und rede nur Hrn. Raumann nach, der mir cS erzählt hat.
Eben jetzt komme ich aus der Loßischcn Buchhandlung, wo ichmir die letzthin herausgekommcnen Abendzeitvertreibe gekauft habe.Ich will Hrn. Naumann in meinem Leben nichts mehr nachreden.Hat er mir nicht aufbinden wollen, er wüßte ganz gewiß, Sie hättendiese Mährchen geschrieben? Bald werde ich seinen unsichern Geschmackkennen lernen. Er wollte Ihre ganze DenkungSarl, Ihre ganze Seeledarinn erkannt haben. Was für ein elendes Ding wäre Ihre Seele,wenn sie sich in einem so alltäglichen Gewäsche verlieren könnte! DieDeutschen scheinen sich insgemein zu begnügen, wenn solche kleine Ge-schichten nur in einer reinen Schreibart abgefaßt sind, aber von Ihnenbin ich überzeugt, daß Sie interessante Sujets gcwählet, mit Episodenausgefüllt, und mit feinen Anspielungen verziert haben würden, wennSie sich einen Abendzeitvertreib hätten machen wollen.
Merken Sie es nun, warum ich auf der vorigen Seite Abend-zeitvertreib unterstrichen hatte?
Es wollen mich einige überreden, ich sollte die ganze Metaphysiknach meiner Art abhandeln. Ich bin aber fest entschlossen, dieses Werknicht eher zu unternehmen, als wenn ich das Vergnügen haben werde,mit Ihnen zusammen zu leben. Ich hielte diese sehr gewünschte Zeitfür nahe, und ob es gleich nunmehr ein wenig wcitläuftig damitaussehe» möchte, so lasse ich dennoch die Hofnung dazu nicht ganzsinken. Bis dahin will ich mich ein wenig in der Mathematik fest-setzen, und meine philosophischen Begriffe zur gehörigen Reife gedeihenlassen. Die Welt wird meine Metaphysik nicht vermissen, wenn sieauch gar ausbleiben wird, und ich würde mich schwerlich beruhigenLessmgS Werk« xm, 2