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halt. — Ich kann Ihnen auch dieses nicht gelten lassen. Warumbedauern wir die todte Zayrc und bedauern nicht die sterbende Sara,oder den sterbenden Alten im Mahomet? Irgend weil sie über ihrUnglück durch ihre großen Gesinnungen siegen? Allein sie wer-den sterben? Unmöglich kann der gemeine Mann, oder unsere sinnlicheEmpfindung glauben, derjenige Tod — Jedoch hierinn möchten SieRecht haben.
Warum haben Sie aber meinen Einwurf nicht beantwortet? Wiekann uns in der Scene des Racine eine Bewunderung gefallen, dieein Mitleiden dämpfen soll, das wir gar nicht gefühlt haben? Siesage», es sey eine Flickscene des Racine? Wohl! aber sie ist dochschön; also ist die Bewunderung schön, auch wo sie kein Mitleidenzu stillen hat.
Ihr letzter Beweis, von dem Ursprünge des Trauerspiels herge-nommen, gefällt mir einigermaßen. Ich zweifle aber, ob Sie bewun-dernswürdige Charaktere (ich meine solche, wie Cato, Grandison, Bru-tus u. s. w.) im Homer finden werden. Im Ringen bestunden damahlsihre heroischen und Bewunderung erregenden Verdienste. Achilles ist am Ende des Spiels nichts als ein tapferer Schläger, mid Aga-memnon hat weiter kein Verdienst, als daß er ein König der Königeist. Die Griechen scheinen zu HomcrS Zeiten von ihren Königengedacht zu haben, ungefähr wie jetzt die Franzosen von den ihrigendenken. Ulysses ist ein listiger Feldherr, und CalchaS ein mittelmäßi-ger Priester, der lange so viel Bewunderung nicht erregen kann, alsIhr TheophancS. (Ich habe Ihren Thcophanes vergessen. Diesererregt bey dem Freygeist Bewunderung, ob er gleich weiß, daß seineguten Eigenschaften nicht die ganze menschliche Natur übertreffen.)Ich will durch diese Anmerkung kcincSwegeS den Homer herunter setzen,und glaube vielmehr, daß ihn keiner von den Dichtern im Ganzenerreicht hat, die nachher gekommen sind, aber von der Seite der gro-ßen und Bewunderung erregenden Charaktere, dünkt mich, haben ihnviele übertreffen.
Ich habe noch eine kleine Anmerkung hinzuzuthun. Sie behaup-ten, der Dichter müsse seinen Helden nothwendig das Unglück empfin-den lassen, wenn wir gerührt werden solle», und nennen die Bewun-derung bey dieser Gelegenheit abcrmahls den Ruhepunkt des Mit-leidens. Das Letztere bedarf keiner wcitcrn Widerlegung. Das Er-stere hingegen gebe ich zu, aber aus einem ganz andern Grunde.Der Dichter muß uus sinnlich überzeugen, daß sein Held die Gefahrkennt, über welche ihn seine Uncrschrockenheit hinweg setzt. Durch eine