spiel müssen Sie mir auch nicht vorenthalten. Auch wegen HerrnBrücknerS Aktion erwarte ich noch eine Antwort.
Ich habe noch nicht Zeit gehabt, den Freigeist mit Muße zu lesen.Herr Moses hat ihn gelesen, wie man ihn lesen soll, und Sie kön-nen denken, ob er uns gefallen hat, da wir zuweilen ans den Arg-wohn gekommen sind, daß der junge Herr mit Ihrem Kalbe gepflügthabe. Hier bekommen Sie auch noch daS Trauerspiel CodruS , welcheszum Preise eingelaufen ist. Sie werden sehen, daß cS viel Schönes,aber auch viel Schlechtes enthält. Die hinten angehängte Kritik taugtgar nichts. Ich vermuthe aus einigen Anzeigen, daß der Herr Baronv. Cronegk in Anspach der Verfasser sey. Sie müssen cS lesen, unsihr Urtheil pünktlich schreiben, und es wicdcrsenden.
Sobald ich ein wenig Zeit habe, will ich Ihre Briefe aufsuchen,und Herr Moses wird ein Gleiches thun.
Sie müsse» nach Berlin kommen, ehe Sie wieder verreisen, essey auch auf was Art es sey. Wenn es nicht anders ist, so machenSie es wie Rabelais : geben Sie sich für einen Staatsgefangenenaus, und lassen Sie sich unier einer Eskorte nach Berlin bringen.Ich bin
ganz der Ihrige,Fr. Nicolai.
Berlin , den 2. März 1767.Ich habe auf Ihren letzten Brief noch nicht geantwortet. WissenSie aber, warum? Ich muß erst wissen, was Sie von Ihrem sehrschönen Grundsätze für Gebrauch machen wollen. Sie haben vollkom-men Recht. Das Vermögen, Vollkommenheiten zu lieben, und Un-vollkommenheiten zu verabscheuen, ist eine Realität, und also eineVollkommenheit. Die Ausübung derselben muß uns also nothwendigVergnügen gewähren. Schade, daß mir diese feine Betrachtung un-bekannt war, als ich meine Briefe über die Empfindungen geschrieben.Dü Bos und ich haben viel von der Annehmlichkeit der nachgeahm-ten Vollkommenheiten geschwatzt, ohne den rechten Punkt getroffenzu haben. Wollen Sie aber aus diesem Satze irgend Folgen ziehen?Versprechen Sie sich einigen Nutzen davon in unsrer Streitsache?Dieses muß ich wissen, und zwar bald, damit wir näher zum Zweckeschreiten können. Wir führen Kriege, lieber Lessing , die ohne IhrenSchade» für mich sehr vortheilhaft sind. Wir wollen sehen, ob diestreitenden Mächte so viel reellen Nutzen von ihrem kostbaren Kriegehaben werden.
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