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Briefe an Lessing. 17A7.
gern einen Einfall heraus bringen will! — Kurz, mein liebster Lcssina.ob ich gleich jetzt nicht unzerstreut genug bin, um an Ihrem Strei.mit Hrn. MoscS Theil zu nehmen, so gebe ich doch einen aufmerksa-men Zuschauer dabey ab, so wie — Doch das wurde wieder einEinfall werden, und heute mache ich keinen mehr. Wegen der Bi-bliothek werde ich wohl nächstens Ihre Antwort lesen, vornehmlichaber Ihr Urlheil über meine Abhandlung und Ihre noch restirendcAntwort wegen Hrn. Lankisch. Leben Sie wohl, lieben Sie ferner
IhrenNicolai.
Ich muß doch wohl das letzte Wort haben. Ich habe meine Ge-danken von der Illusion u. f. w. nicht copirt. Ich bitte mir sie alsowieder aus, aber lesen sollen Sie sie erst.
MoseS.
Die letzte Erinnerung ist freundschaftlich; sollten Sie sie wohlwirklich zurückschicken können, ohne sie zu lesen? — So habe ich dochdas letzte Wort!
Nicolai.
Liebster Freund,
Sie müssen nicht böse werden, daß ich Ihnen nicht mit ersterPost geantwortet habe. Ich lebe, wie die Schweizer sagen, ein sehrunbelebtes Leben. Morgen ist meines Bruders Hochzeit. Dies konnteIhnen alles gesagt seyn; aber ich könnte noch weit mehr sagen, wennich Ihnen allrS melden wollte, was mich verhindert hat. Doch genughiervon. Ich bin Ihnen nebst Hr. Moses für Ihre gehabte Bemü-hung wegen der Bibliothek ungemein verbunden. Herr Dyk ist einbraver Mann.
Ich habe Hoffnung, aus Frankreich von dem ^Iiovalier ä'^rccziviele nützliche Neuigkeiten zur Bibliothek, und auch schon einen Wegim Vorschlag, aus England die neuesten, sonderlich theatralischenNeuigkeiten zu erhalten.
Ich sehe den Aushängebogen von meiner Abhandlung vom Trauer-spiele mit großem Verlangen entgegen, weil ich Ihre Anmerkungendabey finden werde. Sie müssen sie ganz frei von der Leber wegjagen.Seyn Sie versichert, daß, ob ich mich gleich von dem Hauptsätze »ochüberzeugt halte, ich dennoch mit der Abhandlung selbst nichts wenigerals zufrieden bin. Ihre Anmerkungen über das bürgerliche Trauer-