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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
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Briefe an Lcssing. 1757.

Der Herr von Kleist ist Major geworden, ich weiß aber noch nichtrecht bey welchem Regiment. ES wird also auch die Unterschrift unterdem Kupfer geändert werden müssen. Hier haben Sie auch ein Hoch-zcitgedicht auf meines Bruders Hochzeit, das invilo äpollinv ge-macht ist. Herr MoscS hat demselben die Ehre angethan, cS in alcäischeVerse zu übersetzen, ist aber so nachlässig gewesen, seine Uebersehungzu verlieren; sonst hätte ich lieber die Uebersetzung, als das Originalgeschickt. Leben Sie wohl, liebster Lcssing, und schreiben Sie mirbald und viel. Ich bin

Ihr

Nicolai.

Lieber Freund!

Wenn Sie wüßten, daß wir 8 Fcyertage gehabt, in welchen man,wie Sie wissen, zu nichts anders Lust hat, als verdrießlich zu seyn;wenn Sie wüßten, daß ich nach diesen unnützen Tagen wiederum 14Tage krank gelegen habe; so würden Sie sich nicht über mein Still-schweigen beschweren. Indessen bin ich doch nicht ganz müßig gewesen.Ich habe alle die Punkte aufgesetzt, darüber wir uns bereits verglichen,und auch diejenigen, da noch lud juclioo Ii8 olt. Diesen Aufsatz hatHr. Nicolai zu sich genommen; er will einige Zusähe dabey machen,und ich wünschte, daß Sie das versprochene Buch noch so lange dabehielten, bis Sie dieses Projekt zu einer Kapitulation gelesen. We.nigstens wird cS zu nähern Erklärungen Anlaß geben, und zugleichverhindern, daß wir nicht unser Augenmerk aus dem Gesichte verlie-ren, wie sonst bey dergleichen Streitigkeiten gewöhnlich ist.

Mit meinem Urtheile über den Freygeist muß es schon noch ei-nigen Anstand haben. Herr Nicolai will dieses Trauerspiel mit mirgemeinschaftlich durchgehen. Wer weiß indessen, ob er Wort hält?Sie Herren IZeaux Llprits sind ziemlich bereitwillig, viel Gutes zuversprechen, und wcnnS zum Treffen kömmt, so bedenken Sie erst, daßIhre Gemächlichkeit darunter leiden würde, wenn Sie alles Verspro-chene leisten wollten.

Herr v. Premontval hat einen Theil von seinen protoltatiollsherausgegeben. Ich habe sie aber noch nicht gelesen, bin auch bey demManne seit langer Zeit nicht gewesen. Er hat wirklich wunderlichZeug im Kopfe, und man thut ihm Unrecht, wenn man glaubt, erwolle nur paradox scheinen. In der Metaphysik ist auch nichts mitihm auszurichten. Sie wissen, daß alle Materien, die in die Meta-