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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Brief- an Lcssing. ^757.

Streitige. Ausgemachte Punkte,

hat es Herr Moses für mich gethan. S- 23. wende ich diesen Sahauf das Trauerspiel an, und mache ihn zur stärksten Grundsäule mei-nes Systems: ich rede zwar daselbst vielleicht wieder nicht ganz philo-sophisch genau; Sie werden aber finden, daß meine Sinnlichkeit undIhre philosophische Strcngigkeit ungemein wohl mit einander über-einstimmen. Nicolai.

M. Herr Nicolai muß nicht alle Briefe gelesen haben, sonstwürde er mir nicht zuschreiben, was Sie gesagt haben.

§. 2. Daher solche unangenehmeLeidenschaften, deren Ausübungselbst für keine Realität gehaltenwird, gänzlich von der Schau-bühne wegbleiben, oder als häß-lich abgebildet werden müssen.Als z. E- Neid :c. und alle Af-fekten, die in einer Unlust übereines andern Vollkommenheitenbestehen.

K. 3. Die anschauende Betrachtungunsers Unglücks gebieret Unlust.Ist das Uebel gegenwärtig, sowird die Empfindung desselben,nachdem cS größer oder kleinerist, Unlust, Mißvergnügen, Trau-rigkeit, Betrübniß u, f. w, genannt,

li) Ist cS bevorstehend und mitWahrscheinlichkeit zu vermuthen,so erregt es Furcht.

c) Ist es groß und unvermeidlich,so entsteht Verzweiflung.

cl) Kömmt cS unvcrmuthet undplötzlich, so entsteht Schrecken,und wenn das Uebel groß ist,Entsetzen.

§. 4. Die anschauende Betrachtungeines Andern Unglücks gebiereteine Unlust, die wir Mitleidenbetiteln.