Briefe an Lcssing. 1757.
kl
Streitige.Unlust über unser eigenes Un-glück seyn-
°) Ja, dies gestehe ich dem Mit-leiden nicht allein z»/ sondernich mache es auch zu der einzi-gen Wirkung, die die Leiden-schaften im Trauerspiel habenkönnen, und die das Trauerspielauf UNS haben kann, S- 29.;philosophischer zu reden, cS kannunsere sittliche Empfindlichkeitvermehren; aber unser Freundhat in seinen Gedanken von deranschauenden Erkenntniß Z. to.s)gewiesen, daß dies zurRcinigungnicht hinlänglich ist. Nicolai.
Ausgemachte Punkte.
§. 6. Man laßt also gelten, Aristo-teles habe sagen wollen: dasMitleiden reiniget die Lei-denschaften durch die Furcht,und ist auch darin» einig, daßAristoteles Unrecht habe. Siebehaupten, ohne die Erlaubnißdes Stagiriten:
H. 0. DaS Mitleiden reinige dieLeidenschaften ohne Hülfe derFurcht, blos dadurch/ daß esden Menschen geselliger macht,indem er das Unglück seines Ne-benmenschen wie sein eignes fühlt.Allein eine Leidenschaft reinigenheißt, die heftige Begierde/ diedamit verknüpft ist, von Schein-gütcrn ablenken, und ihr dasUeberflüssigc benehmen/ das mitdem Gesetz der Natur streitet.Dieses thut das Mitleiden nicht,sondern wir erlangen durch dieöftere Uebung eine Fertigkeit,das Interesse unsers Ncbenmcn-schen zu beherzigen, und mitseinem Unglücke Mitleiden zuhaben. Diesen Vorzug mußauch") Herr Nicolai dem Mit-leiden cingestchen. Allein er istvon der Reinigung der Leiden-schaften sehr weit entfernt, undzwar um so viel mehr, da dasMitleiden selbst wiederum vondcrVcrnunftregiert werden muß.
§, 7. Vermöge (K. 1.) desjenigenGrundsatzes, den wir Ihnen zudanken habe»/ werden wir die