s.7
den Alisschlag geben, wenigstens durch das Trauerspiel nicht zur Aus-übung kommen. S. 23.
S. 2l. Auch für Ihre Anmerkung aus dem Stobäus bin ichIhnen verbunden. Es ist immer ein Trost für einen, der den Aristo-teles nicht recht verstehet, daß ihn so gar die alten Comödienschreiberauch schon nicht recht verstanden haben.
Zu S. 25. Ich sage freylich ohne Beweis/ daß die Verbesserungder Sitten ohne Charaktere nicht geschehen könne; aber durch meineArt von den Charakteren zu handeln, wird dieser Satz genug erläutert.Ich sage S- 49: cS können sich in einer Person so verschiedene Dcn-kungsartcn vereinigen, daß sie auf eine so besondere Weise handelt,als ein anderer ihres gleichen, in gleichen Umständen nicht würdegehandelt haben; und dann hat diese Person einen Charakter. Istnnn ein Trauerspiel ohne Charakter, so fließet die Verwickelung auSden Umstanden, in welchen sich die handelnden Personen befinden, undist nicht in ihrer Gemürhsbeschaffenheit gegründet; haben aberdie vornehmsten handelnden Personen Charaktere, so müssen dieHandlungen auS denselben fließen. — Nun schließe ich so: begegnetdem Helden ein Unglück, woran er gar nicht Schuld ist, und das garnicht aus seiner GcmüIhSbcschaffenheit fließt, (z. E. Hecuba, welchealle ihre Kinder verliert;) so kann mich solches zwar sehr rühren, abercS kann mir dadurch gar nicht in die Gedanken kommen, eine Leiden-schaft zu verbessern. Wenn aber das Unglück aus der GemüthSbcschaf-fenhcit des Helden, aus einem Fehler in seinem Charakter entstehet(ich habe gezeigt, daß dieser Fehler kein Laster scvn darf); so könnteich mir wohl bcvfallcn lassen, den Fehler zu vermeiden, um dem Un-glücke zu entgehen. Ob es wirklich zur Vermeidung des Fehlers kommt,ist eine andere Frage; genug, es folgt hieraus: daß die Verbesserungder Sitten ohne Charaktere nicht geschehen kann, weil die Handlun-gen, welche nicht aus der Gcmüthsbcschaffenbeit deck Helden fließen,unS zu keiner Vcrabschcuung bewegen können. Ihr Beweis des Ge-gentheils beweist mit Ihrer Erlaubniß nichts mehr, als daß Handlun-gen, welche, ohne aus dem Charakter des Helden zu fließen, ihn insUnglück bringen, uns empfindlich machen können. Sie schließen falsch:Können diese Handlungen Mitleiden erregen, so können sie auch Furchterregen; weil Aristoteles eben so falsch schließet. Daß aber Aristoteles falsch schließe, hat Herr MoseS auf seinem Foliobogcn bewiesen. Kön-nen Sie auch wohl iu Ernste glauben, daß, weil Hecuba Mitleiderweckt, die Zuschauer fürchten können, ihre Stadt verbrannt zu scheu,in die Sclavcrcv geführt zu werden und ihre Kinder zu verlieren?