Briefe a» Lesstng. 1759.
5?alberstadt, den 20. Juli 1759.
Auf Befehl des Grenadiers, der ganz außer sich ist, well Siemit seinem PhilotaS so ziemlich zufrieden sind, und weil der prosaischeVerfasser desselben es ihm zu gut gehalten, daß er seinen Held poetischeingekleidet hat, send' ich Ihnen hicrbev einen Anker des besten Rhein-weins, gewachsen im Jahr 1748 und von Bacchus bestimmt, nurallein Lessinge und Ramler zu begeistern, und den Gottschedcn undSchönaichen im Munde zu Wasser zu werden. Ihr Schreiben vom12. May, in welchem Sie mir sagten, was Sie mit seinem PhilotaSmachen wollten, wenn er cS erlauben würde, hab' ich ihm in'S Lagernachgeschickt, er hat mir ganz kurz drauf geantwortet: der brave Les-sMA, sagt er, (merken Sie sich, daß Sie ein Soldat so nennt) giebtmeinem Philotas zu viel Beyfall; er mache, was er will, mit ihm,sage Gutes oder BöseS von ihm, lasse, wenn er will, ihn drucken.Er Hat'S mit den andern Uebereilungen meiner Muse so gut gemacht,daß ich mich vor nichts fürchten darf; und als Soldat, hab' ich jaauch Muth genug, mehr Böses als Gutes zu hören, und mich darnachzu bessern. — Endlich schreibt er mir eine Neuigkeit von Ihnen. Siewaren, sagt er, ein Einsiedler zu Berlin , und wohnten im entlegen-sten Gartenhause, dichteten eine neue Sara Samson, und vergäßenEssen und Trinken darüber. Senden Sie doch, schreibt er, dem flei-ßigen Manne einen Anker Ihres besten Rheinweins, damit er nichtverschmachtet; ich habe neulich gute Beute gemacht, und kann ihn be-zahlen. Das schreibt er.
ES wäre nöthig, liebster Lessing, daß unser Grenadier eben ihtnur mit ein Tausend seines Gleichen bey uns wäre, damit er dieOestreicher, die bey uns einsprechen wollen, und nur drey Meilen vonuns entfernt sind, verjagen könnte. Alles packt ein. Von unsermhochwürdigen Dom-Capitel bin ich allein noch hier. Nehmen sie michals Geißel mit, so sing' ich der Kaiserin die Lieder unsers Grenadiers.
Eleim.
Halberstadt , den 27. August 1759.
Mein Herz hat es mir wohl gesagt, daß eS meinem Rlcist nichtwohl müsse gegangen seyn. Seit der fatalen Schlacht bin ich keinenTag aufgeräumt gewesen, so viele Mühe ich mir auch gegeben habe, eszu seyn. Und doch weiß ich, daß ich durch die schlimmen Nachrichtennicht kleinmüthig geworden bin; auch nicht durch die ängstlichen Um-