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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe a» Lessing . 1760.

nersdorf, durch Blankenbnrg reiste, und ich mit unserm Dom-Dechantmich daselbst befand, ließ die regierende Herzogin von Brannschweigmich zu sich kommen, und sagte sehr gnädig zu mir:Machen Siedoch dem preußischen Grenadier mein Complimcnt, und sagen Sieihm, daß er uns bald wieder ein Sieges-, oder besser, ein Fricdcns-lied singen möchte! Seine andern Lieder wissen wir schon auswendig." Er ist todt, Jhro Hoheit, sagte ich; er ist bey KunerSdorf geblie-ben.O das weiß ich besser, versetzte sie; er befindet sich sehrwohl, er ist einigemal in Braunschweig gewesen, und hat mich nichtbesucht!" Sie sagte das auf so eine Art, daß ich wohl merkenkonnte, daß ich gemeint war; und setzte hinzu:Herr Gärtner istauch sein Freund, und Herr Mittelstedt," Der ganze Hof war zu-gegen. Ich stand angegafft; und um weg zu kommen, versprach ich,ehestens Jhro königliche Hoheit meine Aufwartung zu machen.

Lor einiger Zeit war Herr Zachariä hier, und bekam den Phi-lotas zu sehen; ich mußte ihm eine Abschrift geben. Heute schreibter mir: Jhro K. Hoheit würden cS sehr gnädig aufnehmen, wennich ihr den Philolas zuschriebe. Was ich von diesem ZuschreibenHalle, darf ich Ihnen wohl nicht sagen. Wenn ich aber außer derin der That sehr gnädigen Begegnung, deren ich so ausführlich habeerwähnen müssen, um Sie, liebster Freund, au s-ut zu setzen, bedenke,daß Gärtner Jhro Hoheit itzt insgeheim ein ordentliches (»ollcgiumder schönen Wissenschaften lesen, und vornehmlich sie mit den besicndeutschen Schriften bekannter machen muß, so dünkt mich dieseSchwester Friedrichs, diese, Mutier des Erbprinzen, der, in Frie-drichs und Ferdinands Schule so große Thaten gethan hat, seyvon den Großen der Welt die einzige Prinzessin, der von uns Teut-schen ein ehrlicher Mann etwas zuschreiben kann. Ich komme also,hierdurch Ihre Meynung darüber zu hören, und wenn Sie nichtsdagegen haben, Sie um Besorgung des Drucks zn bitten. Ich wolltenehmlich in einer kurzen Zuschrift an die Herzogin nur den Herausge-ber abgeben; aus einem gleichfalls kurzen Schreiben des Grenadiersau seinen seligen, damals noch lebenden Major sollte man den llcber-setzer kennen lernen, und Herr Voß, oder wem Sie den Druck über-tragen, könnte nur so viele Exemplare drucken lassen, als er zu ver-kaufen glaubt, damit Sie nicht gehindert würden, die Ausgabe zumachen, die Sie in Ihrem Schreiben, als ich Ihnen um Osternvorigen Jahres den geverSten PhilotaS schickte, versprochen haben.Aber sagen Sie mir Ihre Meinung doch bald: denn erstlich möcht'ich gern nächstens nach Brannschweig reisen, weil ich hernach nicht