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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessing . 1760.

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kann; und dann befürchte ich, PhilotaS mochte in fremde Hände ge-rathen, und ohne unser Anthun gedruckt werden.

Gleim.

Halberstadt , den 7. März 1760.

Hierbei) empfangen Sie eine andre Abschrift des Philotas . Zuden Abänderungen hat Herrn Eberts Kritik Anlaß gegeben. Ich hättetheils das Sylbenmaß noch mehr bearbeitet, theils einige schöne Stel-len des prosaischen Originals, z. B. die schöne Betrachtung des An-baus S. 16- Wo weiß ein Sterblicher:c., noch mehr zu erreichengesucht, wenn ich nur einen Tag, einen Tag ja nur, wie PhilotaS sagt, dazu hatte widmen können.

Daß Sie die Besorgung des Drucks gutigst übernehmen wollen,dafür bin ich Ihnen sehr verbunden; ich würde es aber gern sehn,wenn Sie Ihr gütiges Versprechen, die versäumte Zeit wieder einzu-bringen, halten könnten, damit ich meine versprochene Braunschwei-gischc Reise nicht allzulange ausschieden dürfte. Was aber werdenSie zu der so genannten Zuschrift sagen? Ich habe bey meinen jetzi-gen Geschäften etwas Besseres nicht machen können; auch ist der Lor-satz, ein Schreiben des Grenadiers an seinen seligen Major vorzusetzen,unausgeführt geblieben. Sie haben völlige Freyheit, liebster Freund,zn ändern, was nicht nach Ihrem Sinne ist. Sie müssen mit allemzufrieden seyn; sonst bring' ich, um Ihren Philotas beym Leben zuerhalten, den mcinigcn selbst nms Leben. Ist es noch Zeit eine Vignettefür das Titelblatt fertig zu bekommen, und Sie wollen die Erfindungdazu geben, so will ich mit Vergnügen die Kosten tragen, falls sieder Buchhändler nicht übernehmen will. Das Format der KricgeS-lieder wäre mir das angenehmste; müßten aber die Zeilen abgebrochenwerden, wie beym Gedicht an die Kricgesmuse, so zög' ich das For»mat des prosaischen PhilotaS vor.

Das wnßt' ich wohl, daß mein Lessing sich wieder eingeschlossenhaben würde.! Welch' eine tragische Miene meines LessingS/ dort,bey seinem Vater Sophokles ! O, daß ich mit ihm eingeschlossen wäre!wie wollt' ich dem Vater und dem Sohne die Kunstgriffc belauschen!

Eine italiänische llebcrsetzung des Vaters hab' ich nicht. DieSie bey mir sahen, war eine Ucbcrsctzung des Euripides/ vom Pa-ter Carmcli, (Padua 1743). öS sind aber nur vier Trauerspiele,Hecuba , (welchem das Leben des EuripidcS, und eine Abhandlungvom Nutzen und dem Werthe der Tragödien des Euripides vorge-