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sechs Woche» eine» Brief, und sagt: er habe nicht eher schreiben kön-nen, weil ihn meine Landsleute daran verhindert hätten. Sie wisse»doch, welcher LandSmann? —
lltz schreibt mir, ein preußischer Unterofficier, Namens FriedrichEyl, der von der Bataille bey Torgau nach Anspach versprengt wor-den, habe sich daselbst öffentlich für den preußischen Grenadier ausge-geben, der die Kriegslieder gewacht hätte, sey auch bey Hofe, wo erVerse überreicht, wohl aufgenommen und beschenkt worden. Utz habenoch verhindert, daß die Verse nicht gedruckt worden.
Sonst ist hier noch alles im alten Stande. Wir gehen noch im-mer in den Club, wo uns nichts fehlt, als Sie und guter Wein.Langemack*) kommt auch noch hin; er thut aber nichts als käuenund Abschied nehmen. Quanz ist, wie Sie wissen werden, in Leip-zig . Doch was schwatze ich Ihnen für Zeug vor! — Guten Tag fürheute, und schicken Sie mir fei» Manuscript . Ich bin
Ihr
Nicolai.
Liebster Freund!
Wenn Sie vom Hrn. Nicolai die Briefe bekomme» werden; sobitte ich die Recension der Flögelschcn ErfiiidungSkunst mit flüchtigemAnge zu durchlaufe». Ich habe über den Unterschied der Worte Na-tur, Runst und Wissenschaft einige Gedanken gewagt, über welcheich Ihr Urtheil erwarte. Sie müssen nunmehr alle Briefe über dieLitteratur, die nicht ganz leer von neuen Gedanken sind, ansehen, alswen» sie an Sie gerichtet wären. Für meinen Theil kann ich Sieversichern, daß ich weder den eingebildeten Officier, noch das Publi-kum i» den Gedanke» habe, so oft ich nicht bloß abschreibe, sonder»selbst zu denken wage. Sie sind der Ma»», de» ich anrede, und des-sen Urlheile ich meine unreife» Einfälle unterwerfe. Da ich des Glücksberaubt bin, sie mündlich mit Ihne» überlegen zu können; so jstsimmer einerley, ob sie Ihnen gedruckt, oder geschrieben unter die Au-ge» kommen. Tauge» sie nichts; so mag die Presse vergebens ge-seufzt haben. Das deutsche Publikum ist gütig!
Wo bleiben aber die Blätter, die Sie in Ihrem einzige» Schrei-ben so gewiß versprochen? Doch was kümmern mich die Blätter?Wo bleiben Ihre Briefe, liebster Freund, die ich mit so vielem Ver-
*) Ein Freund RamlerS, der In den letzten Zahrc» sehr schwcrmüthigward. Nicolai.