Druckschrift 
Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
136
Einzelbild herunterladen
 

Briefe an Lessing . 1768-

Das letzte Stück will vollends niemand sehen; und das wundert bloßDöbbelinen. Morgen zwar werden sie das Spiel der Liebe und desZufalls von Marivaux auffuhren. Die zwey Actriccn beklagten sich,es wäre kein Menschenverstand in der llcbcrsetzung. sclin bc-hauptcte das Gegentheil. Ich las es selbst durch. Aber selch sinn-loses Zeug, als ich darin fand, vermuthete ich mir doch nicht. Döb-belin bleibt dabey, diese Uebersetzung wäre in Hamburg gegeben wor-den, und man hätte keine bessere. Ich habe also wenigstens das Ga-limatias herausgestrichen, und hineingeflickt, was ungefähr zu demelenden Zeuge paßt.

Berge' hält jetzt die Woche zwcymal Rcdvute, und man glaubt,daß zu Fastnächten die Franzosen von Hamburg untcr seinem Namenauf seinem Theater komische Opern geben werden. Wenigstens hater sich darauf pränumcrircn lassen. Döbbelin ist dawider eingekommen.

Mcil schreibt Dir nicht eher, als bis er Dir die Vignetten schickt.

Dein

treuer Bruder,Karl.

Liebster Freund!

Ich wurde Ihnen schon längst den Spence 011 lieaut/ geschickthaben, wenn ich mir hätte einbilden können, daß Sie noch immerin Hamburg wären, lind ob ich gleich durch unsre Freunde versichertwerde, so scheint cS mir doch fast eine Verwegenheit zu seyn, es zuglauben. Wie? der unzufriedne und unbeständige Lessing, welchenselbst Berlin mit alle» seinen Rcizungen nicht hat halten können, kannso lange in Hamburg seyn und Lust haben, noch langer da zu blei-ben? Ich weiß nicht, welchem von beyden, Ihnen oder Hamburg die-ses die meiste Ehre macht: Aber das weiß ich, daß in Ihrem Kopf,oder vielmehr in Ihrem Herzen, eine ausserordentliche Veränderungvorgegangen seyn müsse i und das verdient schon allein eine Reise vonmir, das allerliebste Mädchen, (denn was ist sonst in der ganzen Na-tur, das eine solche Veränderung in Ihrem System hätte hervorbrin-gen können?) das Mädchen, sage ich, das Sie auf ewig au H. ge-fesselt hat, kennen zu lernen. Ich hoffe Sie also das nächstem«!, daßich hinkomme, in einer glücklichen und vergnügten, vielleicht schon ge-segneten Ehe, zu finden. Denn untcr keiner andern Bedingung würdeich, selbst Ihnen ein Mädchen gönnen. Das Ihrige soll eine MißSara seyn, aber ohne einen Mellefont zu haben. Wenn aber nun das,