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was ich hier voraussetze, wahr ist, was für andre glückliche Verän-derungen prophezcyht mir dieses noch! Wird sich dieses Mädchen nichtaller Ihrer Leidenschaften bemächtigen? auch derjenige», die bisher dieherrschende seyn schien? und Sie auf eine viel bessere Art vergnü-gen und unterhalten, als das Mittel thun konnte, was Sie aus demSanktoriuS herauSgeklaubl haben? Wenn dieser nicht unsinnig gewe-sen isi, wie man aus seiner GesundheitSwage beynahe schließen sollte;so w^ er doch das erstere Mittel auch angerathcn und dem letzternweit vorgezogen haben; wenn es nämlich alle die Schönheiten odereinen großen Theil derselben hat, die ein Mädchen, das ich meinemLessing bestimme, haben muß, die Spence in diesem Buche, obgleichmehr historisch als philosophisch, beschreibt, und die er selbst gewißeben so gut, wo nicht noch besser, wie dieser, kennt. Nur eins be-dinge ich mir von Ihrem Mädchen (oder welches einerley ist, von Ih-rer lieben Frau) aus, nämlich, daß sie uns nicht bloß Leibesfrüchtevon Ihnen liefre, daß sie auch alle die Früchte des Geistes die nochin Ihnen flecken und zum Theil schon Embryonen sind, durch ihrenkräftigen Einfluß hervortreibe und zur Reife bringe; z. E. noch einigeBände Dramaturgie, noch einige Bände Komödien und Tragödien,den II. Theil des LaocoonS , das Wörterbuch, Ihre verwischte Schrif-ten :c. Ich danke Ihnen auch für meinen Theil für das ungemeineVergnüge» und den vielen Nutzen, die ich aus Ihrer Dramaturgiegeschöpft habe. Was für tiefe und scharfsinnige Untersuchungen! Wasfür gelehrte Kenntnisse! Was für eine originale Schreibart! WelchePhilosophie! Welcher Witz! Ich hoffe, Sie werden dieses Werk (dochandern Werke» von Ihnen unbeschadet) noch so lange fortsetzen, alsnoch dramatische Stücke irgend einer Nation übrig sind, welche Sienoch nicht critisirt haben. Empfehlen Sie mich bestens Ihrem liebens-würdigen Hauswirth und seiner braven Frau, und allen meinen Wei-bern, welche Sie kennen; (ich wünschte so wohl um jener als umJhrentwillen, daß Sie sie alle kennten;) ich darf sie freylich nurin dieser Entfernung so heißen; das können mir ihre Männer selbstwohl gönnen; aber dafür habe ich auch so viel mehrere, als Sie unddiese Männer haben dürfen. Ich bin mit der aufrichtigsten Hochach-tung und Freundschaft
Ihr
Braunschweig ^den 5. Febr . 1768. ^ ^
Der Spence steht Ihnen so lange zu Dienste, als Sie ihn brauchen.