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Briefe an Lesstng. 1768,
Mein liebster Freund,
Das cinzigrmal, da Sie, Ihrer Meynung nach, Recht habensollen, haben Sie unrecht; denn ich habe keinen Brief erhalten, worinSie meine Spoltercyen über die Buchdrucker Lessing und Bode wider-legen. Vielleicht ist es mit diesem Briefe gegangen, wie mit demBriefe und Pakete, worin 6 Exemplare von Pope ein Metavyysikerwaren, das Herr Voß im Jahr 17S5 an Sie nach Leipzig absendenwollte, und das vorgestern in einem Winkel seines chmaligeii Ladensunter dem Rathhause, ist wieder gefunden worden'). Wenn Sieeinmal aus Hamburg wegreisen werden, so wird mir wohl derjenige,der in Ihre Stube zieht, Ihren Brief zuschicken.
Für Ihr neues Journal habe ich allen Respekt. Wenn Sie lau-ter solche Sachen einrücken, als diejenigen, die ins erste Stück kom-men sollen, so wird es alle, die jemals gewesen sind, übertreffe».Befleißigen Sie sich nur auf Vorrat!) von Manuscript ; und lassenSie die besien Schriftsteller Deutschlands fein fleißig schreiben. DaSist die Hauptsache, wenn die Fortsetzung ununterbrochen erfolgen soll.
Nehmen Sie ein Exempel an Hrn. Rloy; der hat großen Vor-rath von allem, was er zu seiner Bibliothek braucht. Er machtsich's aber auch nicht so schwer als Sie; er braucht nichts als Un-verschämtheit/ auch hat er in vier Monate» schon drey Stückefertig geliefert. — In der That weiß ich nicht, was aus dieser Bi-bliothek noch werden wird. Ich glaube aber eben wie Sie, daß sienicht lange bestehen kann; denn die Parthcilichkcit ist gar zu groß,und die unerhörte Art, wie der Hr. Gehciineratl) sich selbst lobt,und von seinen Schülern loben läßt, mißfällt allen Lesern. ES freutmich schon im Loraus, zu vermuthen, daß Sie heute oder morgeneinen Tanz mit ihm wagen wollen. Er sticht auch Sie beständig an,so wie mich und die deutsche Divl. Ich verachte ihn aber; unddas werden Sie auch thun, was Ihre eigne Sache betrifft; aberfreylich eher könnten Sie herausplatzen, um Ihre Freunde Ramlcr,Klopstock und Gerstenberg zu vertheidigen.
Wagen Sie es also nur immer, und versuchen Sie, ob Sie ei»Litteraturbriefchen schreibe» können; denn obgleich freylich Ihre Dra-
*) Nämlich ein untreuer Dienstbote Halle vermuthlich das Porto desfrankirtc» Pakets uiilcrschlagc» wollen, und daher das Paket uiiter ei» Bü-cherregal gesteckt, wo cS erst nach 1Z Jahren, als der ganze Laden geändertward, gefunden wurde. Nicolai,