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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lcssing. 1768.

Leben Sie wohl, mein bester Freund! Wollte Gott , ich könnteSie noch vor Ihrer Abreise sehen! denn mich verlangt sehr, vielerlcymit Ihnen zu plaudern. Doch wer weiß, ob nicht noch Umständekommen, die mir eine Reise nach Hamburg möglich machen. LebenSie nochmals wohl! Ich bin stets

Ihr

Nicolai.

Nachschrift. Haben Sie Langens Briefe verschiedner Gelehrtenan ihn gesehen? SS sind Briefe von Gleim , Sulzcr, dem GeneralStille und andern darin. Ramlern uud Sulzern wird die Ausgabedieser Briefe verdrießen; denn wer sieht gern seine Privatbriefe undPrivaturlheile, zumal, die man vor fünf nnd zwanzig Jahren ge-schrieben hat, bey seinem Lebe» wider seinen Willen gedruckt?

Berlin , d. 8. Novemb. 1768.

Liebster Freund,

Ihr Freund ° ° dauert mich von Herzen. Aber noch sehe ich we-nigstens keine gewisse Hoffnung ihm zu helfen. Hr. Eberhard mußjetzt in Hamburg seyn, wohin er (doch I'uli i-ola) den jungen Herrnvon der Horst in die dortige Handlungsakademie gebracht hat. Ver-muthlich hat er Sie besucht. Ich dächte, es wäre nicht übel, wennder junge Herr von der Horst deshalb an seinen Vater oder sonst je-mand schriebe. Wenn Hr. Eberhard zurückkommt, wollen wir allesmögliche thun. Hr. MoseS will sich wegen einer Wollenfabrik umse-hen, hat aber auch wenig Hoffnung.

Klotz soll über die antiquarischen Briefe ganz außer sich seyn.Mir hat er in einem Briefe nach Leipzig alle Freundschaft aufgesagt,und zugleich einige Briefe von Abbten an ihn, die er mir einmalcommunicirt hatte, wieder gefordert. Da ich ihm nicht gleich antwor-tete, so erhielt ich vorigen Freytag einen Brief von ihm, worin erauf eine lächerliche Weise drohet, mich zu verklagen. Ich habe ihmam Sonntage die Abbtischen Briefe geschickt, und ihm einen Briefdazu geschrieben, den er nicht ans Fenster stecken wird, ungeachtet ichgar nicht heftig schrieb, sondern ihm bey kaltem Blute alle die Ver-achtung bezeigte, die er verdient. Er wird vermnlhlich Stellen ausden Abbtischen Briefen drucken lassen, worin theils Komplimente fürihn, theils einige Schäkereyen über die theologischen Artikel in derallgemeinen deutschen Bibliothek befindlich sind. Das mag er thun;