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sey; er Hot sich gegen unsern Freund Weiße über Klotzens unruhigenKopf beklagt, und die antiquarischen Briefe werden ihm auch vonKlotzens Gelehrsamkeit keinen vortheilhaften Begriff beybringen, wenner je einen solchen sollte gehabt haben. Ich werde nächstens an ihnschreiben, und Ihnen seine Antwort mittheilen.
Schicken Sie mir Ihren CataloguS, ich will ihn bestens bekanntmachen. Haben Sie nicht den Ricciardetto italiänisch? Ich hätte ihn gern.
Den zweyten Theil der antiquarischen Briefe erwarte ich mit Un-geduld. Ich bin ewig
Ihr
Nicolai.
Theuerster Freund!
Herr Eberhard muß mich unrecht verstanden haben. Wider IhreErklärung des Aristoteles habe ich so wenig, daß ich viclmcbr vollkom-men damit zufrieden bin. Wenn er durch Furcht, die Rücksicht aufunser Selbst, und dnrch Mitleiden, die Sympathie für Andre ver-standen haben kann, so fällt ein großer Theil der Schwierigkeiten weg,die man bey dieser Stelle sich zu machen pflegt. Ueber die Reini-gung dieser Leidenschaften, oder die Befreyung von denselben, die nachden Griechen der sittliche Endzweck des Trauerspiels seyn soll, habenSie sich, so viel ich mich hier in meiner Schreibstube, ohne IhreDramaturgie nachschlagen zu können, erinnere, noch nicht erklärt.
Dieses aber mochte ich von Ihnen wissen, ob Sie diese Furchtdes Aristoteles für wahr, für Natur und Erfahrung gemäß hallen?Nichts würde, meines ErachtcnS, das Spiel der Illusion so sehr ver-derben, als diese Rücksicht ans unsre eigne theure Person. Nach gceu-digtem Trauerspiele vielleicht, wenn die Täuschung aufgehört hat, machtdie Vernunft zuweilen diese fromme Nutzanwendung: aber in derHitze des Affekts folgen wir dem verlangen unsrer Einbildungskraft,vergessen, wer, was und wo wir sind, was für Angelegenheiten wirhaben, und was für Begcgnissc uns angenehm oder unangenehm seyndürften. Die Wirkungen dieser glücklichen Täuschung haben Sie, wieich mich gar deutlich erinnere, in Ihrer Dramaturgie so vortrcflich auseinander gesetzt, daß ich mich schäme, Ihnen so lange davon vorge-schwatzt zu haben.
Eine gewisse Rücksicht auf uns findet bey der Rührung Statt,die von der vorigen sehr unterschieden ist, und wie mich dünkt, vonverschiedenen Beobachtern mit jener verwechselt worden ist. Ich meine