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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessiiig. 17K!).

das bey Horaz, virgil, Cäsar, Catull und Cato, wie bey Cicero verantworten? und wie beym Cardinal Albani ? Hätt' ich an denCardinal Albani gedacht, so hatt' ich das Beywort nicht hingeschrie-ben; cS wäre mir nicht eingefallen, daß auf dem Capital ein päpstli-cher Stuhl steht. Cardinal Alkain mag wohl der ciiijige Römerseyn, der da weiß, was Rom an unserm Lessing erobert.

Wär' ich ein Spötter, wteJuvenal, nicht ein Lacher wie Horaz wahrlich, liebster Lessing , so macht' ich die bittersten Satiren aufAlle, die nicht wissen, was wir an unserm Lessing verlieren.

Der Kavser, sagt man, wolle eine deutsche Akademie der Wissen-schaften stiften, Rlopstock solle ihr Präsident seyn, Katholiken, Pro-testanten, Preußen und Sachsen zu Mitgliedern aufgenommen werden.Zwölf, in Wien gegenwärtig, sollten jeder zwey tausend Thaler haben;vier und zwanzig, auswärts in deutschen Landen ohne Unterschied,jeder ein tausend Thaler. Jene zwölf sollten die ersten Genies seyn,diese vier und zwanzig sollten von jenen Zwölfen durch Mehrheit derStimmen erwählt werden. Vier Classen sollten sie machen: in derersten die größten und originellsten Köpfe, die Nlopstocke, die ücs-singez in der zweyten die besten Prosa-Skribenten; in der dritten,die besten Dichter zweyter Größe; in der vierten die besten Uebersetzer.Die Mitglieder der ersten Classe sollten die Kunstrichtcr der übrigendrey seyn; jedes Mitglied sollte seine Schriften zum ersten mal selbstherausgeben; zum andern mal solle die Akademie die Ausgabe besorgen.DaS alles sagt man. Und wär' eS alles wahr, so machte es, lieberLessing , Ihrem Freunde, dem Grenadier, nur halbe Freude, weilder Stifter nicht sein Friedrich ist. Ein wenig weiter wären wirgewiß, wenn, anstatt des Lappländers Maupcrtuis, seit 1740 einLessing Präsident einer deutschen Akademie in Berlin gewesen wäre.Zur Beschämung derer, die in Berlin meinen üessing nicht fest hiel-ten, ist eS schon recht, daß er nun zum Präsidenten nach Rom beru-fen ist. Man sollte ihn noch in Deutschland fest halten! Wenn nunaber Rom , und das Schicksal cS beschlossen hat, daß wir ihn verlie-ren sollen; wenn mit unserm Bitten und Flehen cS nicht abzuwendenist: dann, mein liebster Freund, sagen Sie mir so geschwind alsmöglich, wenn Sie abgehen werden, und welchen Weg Sie nehmen.Denn noch immer bin ich Willens, in diesem Frühjahr eine Gcsund-heitSreise zu meinen Freunden vorzunehmen. Und, träf' ich meinenLessing noch in Hamburg , so wollt' ich dahin zuerst die Stange mei-nes ReisewagenS richten. Leben Sie wohl, mein Theuerster! NachIhrem letzten Briefchen, das Herr Aönig mir auf das Krankenbett