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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lcssing. 17«',!».

In des IXten Bandes tstem Stück der Mg, d, Bibl. steht dieRecension des Laokoon. Ich bin begierig, wie Sie damit zufriedenseyn werden. Aber den Verfasser will ich Ihnen nicht sagen. Das-jenige was ich, wie Sie wissen, vor dem Abdrucke Ihnen eingewendet,daß in Absicht auf die Anwendung der Schönheit ein großer Unter-schied zwischen Bildhauerei) und Malercy Statt finde, und daß Sienur in Absicht der erstern vollkommen Recht hätten, hat er auch inetwas bewiesen, aber von einer andern Seite.

Hr. MoscS grüßt Sie; und ich bin stets

Gottingen, den 7. April 1769.

Ich sage Ihnen lebhaft Dank, daß Sie meine Erläuterung überunsern streitigen Fechter geneigt aufgenommen haben. Lieb war mireS um desto mehr, weil ich in Ansehung des IUiI<:5 Veles allerdingseine Uebereilung begangen, und die zweyte Vergleichung damals, alsich es in den Anzeigen niederschrieb, nicht angestellt, sondern michauf die erste flüchtige Bemerkung verlassen hatte. Daß ich auf dieStellen deS DiodorS und PolyänS nicht mehr gedrungen habe, macht,daß ich voraussetzte und voraussetzen mußte, daß sie Ihnen so gut be,kannt wären als mir, da sie selbst von den Auslegern angeführt wer-den. Nur die Stelle im Xenophon allein suchte ich für mich selbstauf, und so zeigte ich sie also auch allein nach Buch und Kapitel an;wie ich cS auch in andern Fällen zu halten pflege. Sie haben dieStellen nunmehr reiflicher erwogen, alles mehr durchkauet, als ich ge-than habe. Sie haben meinen völligen Beyfall und meine wahre Hoch-achtung, und ich hoffe die Ihrige Zeitlebens zu verdienen.

Hcyne.

Ich habe jetzt den Pereira vor mir, wo der Borghesische Fechterumgezeichnet in Kupfer vorgestellt ist: der rechte Schenkel voraus u. f. w.Je mehr ich ihn ansehe, desto weniger kann ich mir vorstellen, daß ereinem nahen Feinde einen Hieb versetzen wolle. Sollte es nicht viel-mehr ein Stoß von unten herauf seyn? Doch vielleicht ist hier dasKupfer unrichtig, wie an der linken Hand. Und dann kann die ganzeBewegung des rechten Arms freylich nichts entscheiden, da er neu ist.

Der stehende Stand der Soldaten des Chabrias ist, däucht mir,schön dargcthan.

Der Wies Vvl«8 muß gar nicht mehr ins Spiel gezogen werden;er paßt zu nichts.