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Grausamkeit wird dadurch noch größer, daß jener arme Mensch nun-mehr alle Hoffnung jemals wieder einen solchen Bissen zu bekommen,aufgeben und jämmerlich verschmachten muß/ und keinen andern Trostübrig hat, als daß er noch einen andern elenden neben sich sieht, dereben so, wie er, um Rache gen Himmel schreyt. — Hätten wir un-glückliche Leute unS doch lieber an wildfremde Menschen gewandt; wirhätten gewiß mehr Mitleid gefunden. — Wenn Ihnen noch einiger-maßen daran gelegen ist, sich mit mir auszusöhnen, so müssen Siealles das liefern, waS ich und das ganze Publikum schon so langevon Ihnen erwartet. Wo bleibt denn zum Henker! (es reißt mir end-lich die Geduld!) Ihr tragisches Theater, Ihr II. Theil vom Laocoon ,Ihre Dramaturgie, wovon ich bis jetzt nichts mehr als 56 Stücke habe,die ich nicht einmal einbinden lassen kann? :c. -c. Ich würde Siejetzt (zumal nach jenem garstigen Streiche) ohne die geringste Barm-hertzigkeit pfänden sehen; und noch lieber möchte ich selbst ihr Schreib-pult plündern. Wie wollte ich mich für jenen Verlust schadlos halten.Braunschw-ig, ^ A Eb^.
den 5. May 1769.
Mein sehr werther Freund,
Daß Sie mit der Recension Ihres LaokoonS zufrieden sind, istmir lieb. Wie ist es denn mit dem zweyten Theile desselben? werdenSie ihn denn wirklich noch fertig machen, ehe Sie wegreisen?
Von Hagedorn haben Sie sich durch Hcineken gewiß einen un-rechten Begriff machen lassen. Er ist weiter nicht Klotzens Freund,als daß er vorher von Klotz eine gute Meynung mag gehabt haben,die er jetzt hat fahren lassen.
WaS die Recension von HeinekenS unzuverlässigen Nachrichtenvon Rünstlern und Runstsachen im IXten Bande der Mg. deutsch .Bibl. betrifft, so ist sie von mir, und ich glaube, daß ich in jederSylbe derselben Recht habe. Wenn ich darin zu lebhaft gewesen bin,so kommt es daher, daß ich verdrießlich war, weil mir Heinckcn durchseine confusen Nachrichten von Berlin , so unsäglich viel vergeblicheMühe gemacht hatte, und weil es mich auch wirklich verdroß, daßHcineken, der lange mit der Kunst gewuchert hat, und mancher recht-schaffenen Künstler Geißel gewesen ist, Hagedornen so herunter sehenwill, der wirklich sehr gute Einsichten besitzt, der alle rechtschaffnenLeute gern befördert, und der in Sachsen so gute Einrichtungen ge-