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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
179
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Briefe an Schlug. 1769.

haben. Glcim ist seit etlichen Wochen hier; ich habe ihn aber nur eincinzi'gesmal gesprochen. Er hat einige neue Gedichte gemacht. Vielebewundern sie; ob aber Ramler darunter ist, weiß ich nicht. Sie sol-len ost mit einander in Gesellschaft sey»/ und sich versöhnt haben.

sonders in Absicht auf die poetische Sprache betrachtet, nicht viel mehr alsProsa. Eigentlich wurden in meinem Wörterbuchc Hagedorn und Haller.als die ersten Dichter gelten, die zu den neuern gehören.

Noch muß ich hinzufügen, daß ich mein Wörterbuch nach den Stamm-wörtern oder Primitivwörtern ordnen wurde. Es scheint mir, andereVortheile ungerechnet, daß man auf keine andere Art die der deutschenSprache so eigenen Verbindungen und Zusammensetzungen, sowohl die er-laubten als die unerlaubten, zweckmäßig werde übersehen können. Am Endewurde allenfalls durch ein alphabetisches Register für die Bequemlichkeit desNachschlagcns gesorgt werde» könne».

AIs ich diese» Brief an Lcssing schrieb, hatte ich schon angefangen, eineSammlung deutscher Schriftsteller zum Behufe des Wörterbuchs zu mache»,die ich auch noch bcsitzc, obgleich an der Vollständigkeit viel fehlet. In densiebziger Zabrcn fing ich an, den Plan auszuarbeiten, wovon obiges dieAußcnlinicn sind. Ich wollte die deutsche» Schriftsteller »ach meinem Zweckeklassificiren, und Beyspiele von einige» Wörter» hinzufügen, wie ich glaubte,daß ungefähr die Behandlungsart seyn wüßte. Dann wollte ich ei» PaarJahre die Slimmc der Kenner abwarten, in wiefern mein Plan bleibe», undi» wiefern er verbessert werden könnte, alsdann aber eine Anzahl fleißigerHände suche», welche alle dculschc» Schriftsteller »ach dem vorgeschriebenenPlane auszöge», und es darauf ankommen lassen, ob sich nach zehn Jahrenein Ropf fände, der ihren Borrath verarbeite» könnte. Mehrere Umständevcrliindcrtcn die Ausführung und dc» Druck meines Plans, und die Aus-führung der Sache selbst. Ich will gern gestehen, daß die unvernünftige»und niederträchtige» Klotzischcn und damit verwandte» Anfälle, so sehr ichsie an sich auch vcrachlclc, mich etwas ermüdeten, da sie einige Zahrc währ-ten, und nur ungcmci» viel edle Zeit raubten; so wenig ich auch dabey that.Auch waren diese Zeilen, nebst der gleich darauf folgenden lächerlichen Krast-periodc, cbc» keine Ausniunlcrung, eine sehr große Unternehmung, die unbe-schreiblich viel Mühe, Sorgen und Kosten erfordert l'abc» würde, für c!»Publikum zu wage», das so wenig zu unterscheiden wußte was gut und wasschlecht war. Dazu kam die fortdauernde unsägliche Arbeit, um die Allge-meine deutsche Bibliolhek zu erhalte», und sie i» allen ihren vielen Theilenzu mehrerer Vollkonimenbeit zu bringe». Gerade i» den siebziger Jahre»waren die Sorge» dcsfalls größer, als ma» es sich vorstellen kau». Icherlag damal schon bcvnahc unter der vielfältigen Arbeit, und fand es nachreifer Uebcrlcgung nicht rathsam, mich in eine Unterncbmnng einzulassen,die sehr große Kosten erfordert haben würde, zu einer Zeit, wo mir ausma»che» Ursache» die Aufwendung großer Kosten nicht leicht war, die viel

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