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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessing . 1769.

Meil verspricht Dir gewiß/ die verlangten Kupfer vor Michaelisfertig zu schaffen. Er würde Dir selbst geschrieben haben, wen» ernicht so viel zu thun hätte. Er muß in einem Monathe die Zeichnungzu einem großen Kalender für das Halberstädter Domkapitel fertig

Ans diesen mußte jedes Wort ausgezogen werde». Gesetzt, ei» solcher Schrift-steller halte ei» neues Wort auch «ur einmal gebraucht; gesetzt, er hätte esauf eine Art gebraucht, die man nicht rathe» kömtte nachzuahmen: so wirdci» solcher Schriftsteller nicht leicht ein »cucs Wort gemacht, oder ein be-kanntes auf eine ungewöhnliche Art gebraucht habe», ohne irgend einen gute»Grund. Die Untersuchung desselben, gesetzt auch, der Gebrauch wäre einmalfehlerhaft gewesen, mußte bey solchen Schriftstellern immer lehrreich seyn.

2) Gute Schriftsteller. Deren hat unsere Sprache viele, »nd zumTheil sehr vortreffliche, ob ich sie gleich nicht zu den klassischen rechnenmochte. Die Bestimmung, wer ein klassischer Schriftsteller zu nennen sev,hat überhaupt allerdings große Schwierigkeiten. Nach der Lage und derallmähliche» Bildung unserer Sprache, würde ich diejenigen in Absicht ausdie Sprache als klassische Schriftsteller nehmen, durch welche unscrc Spracheirgend eine Art von Bildung erhielt. So wäre ich zum Bcvspiel geneigt,Sturz unter die klassischen Schriftsteller zn setzen, aus dem ich in meinemWörterbuchc jedes Wort würde ausziehen, und die Art bestimme» lasse», wieer es gebraucht hätte; »»geachtet wir gute Schriftsteller habe», denen eran Werth weit nachzusetzen ist, wenn man auf den ganzen schriftstellerischenCharakter sieht. Aber Sturz war einer der ersten Schriftsteller, der nichtals ein Gelehrter schrieb, sondern als ein Weltmann, der die große Weltgesehen und fein beobachtet hatte. Daher liegt für unsere so arme Konvcr-sationSsprache mancher Schatz in Stnrzcns Schriften, den unsere Lustsplcl-»nd Roman schrciber nicht vernachlässigen würden, wenn sie den Wcrlh vonStnrzcns Schriften erkennten, und glaubten studieren zu müssen ehe sie schreiben.

Aus den guten Schriftstellern würde ich nichts anders ausziehen lassen,als was richtig oder lehrreich wäre. Doch giebt cS gnte Schriftsteller, dienicht allemal korrekt sind, z. B. Gellert, Zachariä :c. Hier müßte» diekleinen Fehler solcher Schriftsteller angeführt werden, damit man sie nichtnachahme.

3) Gemeine und schlechte Schriftsteller. Sie sind Legion! Ausdiesen würde weniger ausgezogen. Indessen findet sich in ihnen manchesLehrreiche für die Sprache. Es würde mich zn weit führen, hier ans ein-ander zu setzen, wie, meiner Meinung »ach, diese Schriftsteller für dasWörterbuch zu brauchen wären.

4) Alte Schriftsteller. Sie sind vo» sehr nia»chcrlev Art, undwürden genane Untcrablhciiungen erfordern. Zch rechne z» de» alten Schrift-stellern alle, die vor Wolf geschrieben habe». Den» durch dcssc» Philosophie»nd durch die darauf gebaute veränderte Theologie, ward unscrc Prosa zuerst,obgleich freylich sehr einseitig, umgebildet. Unscrc Poesie war damal, bc-