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schreiben; aber seine Reise verzieht sich, und ich muß nur thun, wasich gleich thun sollen: Dir mit der Post schreiben. Wie oft ich anDich gedacht, will ich Dir nicht sagen; denn das glaubst Du mirwohl ohnedies.
die italiänische einiger Maße» ausnimmt) welche eine eigene poetische Sprachehat. Man denke sich einmal, wie verschiede» ei» vollständiges deutschesWörterbuch, (wohin auch die eigentlich-poetischen Wörter und der dichterischeGebrauch, der vo» gewöhnlichen Wörtern gemacht wird, gehören) nach dc»verschiedenen Epoche» seyn mußte, die man der Sprache in diesem Jahrhun-derte gebe» kann. Wie verschieden würde ein Wörterbuch, das nach Wolfs Zeilen herausgekommen, aber doch eher, als Rlopstocks Messias erschie-ne» wäre, von ciiiem andern seyn, das nach Rlopstock, aber eher ge-macht wäre, als Wieland und »ach ihm Göthe imscrer Sprache i» somanchem Betrachte ci»c neue Wendung und eine vorzüglichere Bildung gaben!Und wie verschieden mußte es wieder seyn, vo» einem, das seit der Blüthedes Ruhms dieser beiden vortrefflichen Schriftsteller herauskäme!
Ich fand also, cS sey kein anderes Mittel, zu einem vollständigen undrecht brauchbaren deutschen Wörterbuchc zu gelangen, als aus allen deutsche »Schriftstellern selbst heraus zu ziehen, welche Wörter sie gebraucht, und inwelcher Verbindung und zu welchem Zwecke sie dieselbe» gebrauchthätte». Zu diesem Behufe wollte ich alle deutsche » Schriftsteller uuter etwazwanzig arbeitsame, der deutschen Sprache nicht unkundige Leute austheilen,und durch sie die Stelle» ausziehen lassen, welche den Gebrauch jedes WortSzeigten. Ich hatte mir eingebildet, i» zehn Jahren könne wohl die Samm-lung fertig seyn. Wenn dieser ungeheure Vorrath, muUonim enmeiorum«iius, dann nach alphabetischer Ordnung geordnet wäre, so müßte ein Ma»»von geprüften Kenntnisse» das eigentliche Wörterbuch daraus verfertigen.Ich wußte, als ich i» dc» sechziger Jahre» diese Idee faßte, noch nichtsvo» Johnsons cngländischcm Wörterbuchc. Dieser hat es beynahe »ach dcm-sclbc» Planc ausgeführt, und mit bcwu»dcr»swürdigcm Fleiße allein aus-geführt, was ich durch zwanzig und mehr Mensche» ausführe» wollte. Aberdie deutsche Sprache ist auch wcnigstctts viermal reicher und mannigfaltiger,im Guten u»d im Fehlerhaften, als die cngländisclie. Und da die deutscheSprache eine der europäischen .Hauptsprachen ist, nicht so wie die engländischccinc abgclcitctc; so kann cin deutsches Wörterbuch, so wie ich es mir vor-stelle, »och lehrreicher gemacht werden, als Johnsons Buch, würde aber auchunendlich mehr Schwierigkeiten haben. Daß mit diesem geordneten Vorratheci» viel vollkommncres Wörterbuch entstehen könnte, als allc bisherigen, da-von bin Ich »och überzeugt; ob ich gleich ihre» großen Werth crkcime, undwich freue, daß wir besonders das vortreffliche Adclungschc habe».
Ich würde zum Behufe des Wörterbuchs die deutschen Schriftsteller invier Klassen theilen:
t) Alassische Schriftsteller- z.B. Rlopstock, Wieland, u. s.w.Lcslings Werke xm. 12