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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessiug. 17>!!).

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wird aus würdigen Leuten bestehe«»/ und die können nicht lächerlichseyn. Aber bey der ganzen Sache sind noch zu viel unbekannte llm-

Gclchrtc» aus dem nördlichen Dcutschlaudc, wie man damals meinte, vonKaiser Joseph sollte in Wien errichtet werden, lächerlich mache» wollen.Lcssing Halle schon im Zahr 1763, in Leipzig , mir mündlich davon erzahlt,und in seinem Briefe vom 2l. Oclobcr 1768 fBv Xll, S. 209^ mir schongemeldet, daß Klopstocks Dedikation von Hermanns Schlacht an denKaiser Joseph, dies zunächst bewirken sollte.

Den Borwurf, das, ich dies Vorhaben hätte lächerlich machen wollen,verdiente ich nicht. Aber ich glaubte von Anfang an nicht an die Möglich-keit der Ausführung; das ist wahr. Schon mchrmal ist es mir mit ander»Diugcn auf ähnliche Art gegangen, und geht mir oft »och jetzt so. Es sindviel Uebel i» der Welt. Bortrcfflichc Leute empfinden diese Uebel, und su-che» ihnen abzuhclscn; Schriftsteller besonders suche» dies durch vortrefflicheSchriften zu bewirke». Dies kau» niemand mehr nach seinem wahren Wertheschätzen als ich. Aber sehr oft ist es mir begegnet, baß ich i» die sanguini-schen Hoffnungen gelehrter Männer, In die Hoffnnng vo» bcr Wirkung,welche ihre Schriften z»r Verbesserung mancher litcrarische» oder politische»Uebel haben sollten, nicht habe einstimmen können, Ich verglich in jedemFalle, ebne mich durch Wünsche, die mir auch nahe gciiug am Herzen lagen,verteilen zu lasse», mit ruhigem Gemüthe dc» eigentliche» Zweck, den manerreichen wollte, mit den vorhandenen Mitteln; und so lange ich die Mittelunzureichend fand, gab ich die Hoffnung auf, den Zweck zu erreichen. Dahat man mir den» oft bey solche» Gelegenheiten vorqrworsc», ich sey zukalt gegen die gute Sache. Das war ich niemals; nur wen» ich kein hin-längliches Mittel sah, die Schwierigkeiten zu überwinde» und der gutenSache zu helfen, so sagte ich mit Bedauern, und mit stiller Resignation undiiincrm Kummer, daß der gute» Sache nicht zu helfen scv, weil die Mittelnicht da, oder unzweckmäßig wären. Ich unterdrückte daher oft schon allemeine Hoffnung, wett» andere sich noch mit den heiterste» Aussichten schmei-chelten; dagegen ward ich nachher auch nicht vo» fchlgeschlageiic» Erwartn»,gen niedergedrückt, wie es andern geschah, welche dadurch sehr mißmülhigwurden; so wie in diesem Falle Lcssing und Bodc.

Die Veranlassung, welche mir den unverdienten Vorwurf von Lcssingzuzog, war folgende. Das Dcdikalionsercmplar von Hermanns Schlachtfür den Kaiser Joseph wurde in branne Seide eingebunden, worauf einU.ichcnkranz gestickt war; (mau mnß sich nur erinnern, welche hohe svm-bolischc Bedeutung das Eichenlaub aus Klopstocks Gelehrten-Republikhadc» sollte) und eine gewisse Anzahl anderer Exemplare, die nach Wie» be-stimmt waren, sollten i» grüne» Kordua» (zur ähnliche» symbolischen Be-deutung) gebunden werden. Bodc meldete mir dieses; und da, wie er schrieb,in Hamburg kciu grüncr Korduau zu habcn scv, so ersuchte er mich, ihmeinige Felle iu Berlin zu lausen, und nach Hamburg zu schicke». Es kam