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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessiiig, 1769.

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Vergessen Sie doch/ wenn Sie in Wolfenbültel in Ruhe kommen, dasTheater nicht gänzlich, Sie sind dafür gemacht, und sonst kein jetztlebender Dichter. Man sagt, daß ein neues Stück von Ihnen inWien aufgeführt werden solle. Ist das wahr? und welches ist es?

MoseS grüßt Sie. Wir sind jetzt beschäftigt, unsere Correspon-deiiz mit Abbtcn zum Drucke in Ordnung zu bringen; es sind sonder-lich von Moses vortreffliche Briefe darunter. Ich umarme Sie vonHerzen, und bin stets

Ihr

ganz eigner,Nicolai.

Berlin , den 26. October 1769.

Liebster Bruder,

Unser Voß hat mir zwar aus Leipzig keinen Brief mitgebracht,aber eine Nachricht von Dir, die mich freute, und noch mehr freuenwird, wenn ich bald mehr davon höre. Hier trägt man sich mit derSage: der Kaiser hätte eine jährliche Summe von 20000 Thlrn. zurBesoldung gelehrter Deutschen ausgesetzt. Doch wovon schon viel ge-sprochen wird, daran ist immer am wenigsten.

Aus dem Meßkatalog sehe ich, daß unser Bruder ThcovbiluS Iris!!-»5eromi!>(! herausgegeben. Hat er Dir ein Exemplar geschickt? Ichwerde ihn mit morgender Post um eins bitten. Weil ich davon nichtsverstehe, so bin ich um desto neugieriger darauf. Herr Klotz wird dasBuch wohl in seinen ^olls I!Uel>ari!s in Beschlag nehmen. Hast Dunicht Deine Freude, wenn Du die jetzigen Journale liesest? Eben habeich das dreizehnte Stück der Klotzischcn Bibl. gelesen. Das sind Kri-tikaster! Doch, meine Meynung könnte leicht armselige Rachsucht scheinen.

Deine Abhandlung vom Tode habe ich nicht einmal ganz gelesen.Voß hat noch kein Exemplar hier. Auch besinne ich mich, daß Duan Meil geschrieben, Du würdest ein historisches Werk heraus geben;und gleichwol finde ich nicht einmal eine Anzeige davon in dem Leip-ziger Meßkatalog unter den künftig herauskommenden Büchern.

Moses hat eine sonderbare Begebenheit mit Lavatern, der vor eini-gen Jahren hier gewesen ist. Sie habe» sich mit einander von Reli-gionssachen unterhalten. Hiervon nimmt der epische Dichter des künf-tigen Lebens Gelegenheit, Moses aufzufordern, entweder die BonnctschcnBeweise für die christliche Religion, die Lavatec mit seinen Anmerkun-gen heraus gegeben, zu widerlegen, oder sich öffentlich zur christlichen

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