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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lesstng. 17K9.

Ich hoffe, daß Sie schon im Abschicdnehmen begriffen sind/ lieb-ster Lessing, Ich muß Ihnen aber doch noch ein paar Zeilen schreiben.Ich habe gestern unsern lieben E. P. (so darf ich ihn jeho nennen,nicht wahr?) gesprochen, und ihm erzählt, was Sie mir und ich Ih-nen geschrieben hätte. Er dankte mir sehr dafür, wie ich vermuthethatte, und erwartet Sie nun mit Verlangen. Zugleich erzählt er mir,daß er unsern vortrcflichen Moses Mendelssohn kennen gelernt hätte;und er war über 5iese neue Bekanntschaft sehr erfreut. Jener hat ver-sprochen, ihm seine neue Edition des Phädon zu schicken, und der E P.wird sich darauf mit ihm in eine Corrcspondcnz einlassen. Er wünschtsehr, daß cS möglich wäre, auch ihn zu uns herzuziehen. Vielleichtkönnen Sie dazu etwas beytragen.

Der Mann bey dem Sie logiren sollen, ist ein Iouwelicrer und heißtDübncr, Nun bis auf glückliches Wicdersehn! Gott gebe Ihneneine recht glückliche Reise! Ich hoffe, daß Ihnen alle die Freunde,welche Sie dort ungern verlassen werden, hier einigermaßen durch andreerseht werden sollen; nur Ihren Goizen werde ich Ihnen nicht wie-der schaffen können. Vergeben Sie mir diesen witzigen Einfall. Ichwill ihn dafür Ihnen niemals wieder nenne».

Braunschweig , I. ^

den 3. Nov. 1769.

Berlin , d. 8. Novcmb, 1709.

Liebster Freund,

Ich habe Ihr Schreiben vom 30. Octob. erhalten. Ich findedarin keine genauere Nachrichten von Ihrem Berufe nach Wolfenbüt-tcl, die ich sehr gern haben möchte. Es scheint mir, daß diese Stelleso recht für Sie wäre. Muße und eine vortreffliche Bibliothek! Wiesteht eS denn mit Wien ? Man sprengt aus, daß der Kaiser wirklich20,000 Rthlr. zu Iahrgehaltcn für deutsche Gelehrte ausgesetzt habe;aber man will auch sagen, daß Klopsiock nicht hingehen werde. Allesdies ist nur ausgesprengt, ohne eine Quelle anzugeben, und ich wünscheerst eine sichere Bestätigung. Auf alle Fälle höre ich aus verschiedenenGegenden, daß 2Uoy suchen möchte ein Iahrgeld in Wien zu erhalten,wozu ihm mit dem er in die genaueste Verbindung gerathen ist,vehülflich seyn soll. Rloy hat sich durch seine Aufführung in Hallebey Jedermann verächtlich gemacht. Hier, hält ihn der Hr. von Fürst')

°) Der Hr. Minister v. Fürst war damals Kurator der preusjischc» UM-versnäicu. Nicolai.