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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessing. 17K9

dahin gebracht/ daß sie versprochen hat, ihren Diener, der eigentlichdie Dodsleyischc Commission besorgt, auf Ostern zn verabschieden.

Ucberhaupt, liebster Freund, da ich glaube, was den deutschen Buchhandel betrifft zu verstehen; so bin ich überzeugt, daß die deut-schen Buchhändler sich nie irgend wozu vereinigen werden: am we-nigsten dazu, den Selbstverlag der Gelehrten zu verhindern; und wennsie wollten, könnten sie cS nicht. Da sie doch die Buchdrucker aufden Messen bezahlen müssen, so ist es ihnen ganz einerley, ob dasBuch, wofür sie das Geld hingeben, einem Buchdrucker oder einemGelehrten gehöret. Daß übrigens die meisten Gelehrten, die auf ihreKosten Bücher drucken lassen, dabey zu kurz kommen, kann ich aucherklären. Es treffen verschicdne Ursachen zusammen. Und eine derHauptursachen ist, daß diejenigen Bücher, die der Gelehrte für diebesten und wichtigsten hält, gerade nicht die sind, die den meiste»Debit haben. Ich getraue mich auch, einem, der die Kaufmannschaftüberhaupt, und besonders die Art verstehet, wie der Buchhandel inDeutschland kann geführet werden, zu beweisen, daß jemand, der nureins oder auch zwey Bücher selbst drucken läßt, und sie baar verkaufenwill, unmöglich Vortheil davon haben kann; es wäre denn, daßFreunde einen ^.ilum pro amieo machen, oder sonst besondere Um-stände eintreten. Erinnern Sie sich unseres ehemaligen Streits überBuchhandel, in Berlin unter den Linden. Ich bin bey der Buch-handlung erzogen und habe nunmehr auch die eigene Erfahrung meh-rerer Jahre. Wäre es möglich, die Buchhandlung bloß durch baarenVerkauf in jeder Stadt zu treiben, so brauchten wir freylich keineMessen. Ich selbst würde bloßen baaren Verkauf auf den Messen mitanscheinend besserem Vortheil treiben, als irgend ein Gelehrter; aberauch als Buchhändler mag ich es nicht. Einige thun eS; aber wennmehrere nachkommen wollen, ist es nicht auszuführen: denn, wennalle verkaufen wollen, woher sollen die Käufer kommen? Ich habedie Buchhandlung anders kennen lernen, als sie selbst viele Buch-händler kenne». Ich bin überzeugt, ->) daß das Drucken des Verlagsin einem gewissen Verhältnisse mit dem Vertriebe des Sortimentsstehen muß: sonst thut man sich Schaden, wenn man auch den bestenVerlag druckt; I,) daß der Buchhandel in Deutschland , wenn er un-vcrhältnißmäßig ins Große getrieben wird, keinen Vortheil bringt.Reich ist ein lebendiges Beyspiel davon. Er arbeitet sehr viel, umden Ruhm zu haben, daß die Weidmannische Handlung die größteBuchhandlung in Deutschland sey. Aber Vortheil hat er nicht; ergesteht dies selbst, und weiß nicht, wie es zugehet. Ich kann eS aber