Briefe an Lcsfing. 1770.
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einmal hier waren, aus dem Fidibus, der mir eben in die Händefallt, da ich meine Papiere aufkrame. Lassen Sie es um deS Him-mels willen nichts weiter als FidibuS scvn.
Dergleichen dachte ich mit Ihnen zu reden, Schade, Schade, daßuns die verdammte Meile trennt. Leben Sie vergnügt.
Schmid.
Mein lieber Herr Lessing:
Bald mögte ich Ihnen nicht antworten, ob mir gleich Ihr Briefüberaus angenehm war. Warum nennen Sie mich eine fertige Bricf-schreibcrinn? Ohnmöglich wollen Sie mich zum besten haben. Viellieber will ich glauben: daß Sie dieseSmal in den Ihnen ganz unge-wöhnlichen Komvlimentcnton gefallen sind. Er kleidet Sie nicht; drumhüten Sie sich ins Künftige davor.
Da Ihnen der Vetter gesagt hat, daß einige von Ihren Freundenböse auf Sie gewesen sind; so hätte er Ihnen auch billig sagen müs-sen: daß Ihr erster Brief schon alles wieder gut gemacht hat. Ichhätte fast Lust zu verrathen, daß er ein bischen mit auf Sie losgezo-gen hat, wenn ich ihm nicht so sehr gut wäre. Warum? rathen Siewohl nicht. Ich muß Ihnen nur geschwind aus dem Traume helfen.Er begleitet mich nach Pirmont, wo ich meinen Bruder treffe, dernun schon bcv mir wäre, wenn ihn nicht eine schwere Krankheit auf-gehalten hätte. Er wird den Loten abreisen, und ich denke ihn den25ten in Pirmont zu empfangen. Wollen Sie sehen, wie ausschwei-fend ich in der Freude bin? so begleiten Sie uns dahin, oder kommenSie wenigstens nach Hannover . Wenn Sie erst da sind, will ich Siewohl überreden: daß Ihnen der Brunnen gesund ist. Der V. sagt-über Braunschwcig machten wir einen zu großen Umweg. Daß dasalte Wolfcnbüttel auch just so aus dem Wege liegt! Wäre mein Glaubestark genug, daß ich Berge versetzen könnte, so wollte ich Ihrem ver-wünschten Schlosse bald eine andere Stelle anweisen. Ohnmöglich ma-chen Sie mich glauben: daß Sie dorten vergnügt sind; noch weniger,daß es Ihnen unangenehm ist/ den Herrn Ackermann mit seiner Ge-sellschaft so nahe zu bekommen. - Oder ist Madam Schuch nicht mehrbey ihm? Er thut wohl, wenn er vor der Hand nicht hicher kömmt.Wenigstens würden seine Operetten wenig Beyfall finden. Den» wirk-lich sind unter unsern Italienern recht gute Leute. Unter andern einTenorist, der nicht allein sehr brav singt, sondern auch mit vielem An-stand agirt. Ich kann Ihnen keine größere Idee von ihm beybringen,als wenn ich sage: daß er das Glück hat, fast allen Damen zu gefal-