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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
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229
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Briefe a» Lessing . 1770.

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Braunfchweig, d. 7. Jul. 1770.

Weil wir beyde jejt ganz Berengarisch sind, so theile ich Ihnenabermals etwas mit, was hierher gehört. Im leztcn Theile der Engli-schen Bibclerklarer, die Teller angefangen, und Brncker nunmehromit der Offenbarung IohanniS geendigt hat, (der achte Band desneuen Testaments) finde ich, daß Lowwann von Seite 457-463 eineweitläuftige Anmerkung von der Geschichte Bcrengars eingerückt hat.Er scheint diesen merkwürdigen Mann mit in der Offenbarung zufinden. Sie müssen dieß lesen. Abschreiben kann ich eS nicht.Wollen Sie diesen Band von mir haben, so steht er zu Dienste.Sonst finden Sie ihn unfehlbar unter den Büchern dieser Messe beyMeißner, und es wird auch nicht an Predigern in Wolfenbültel feh-le», die dieses Bibelwerk halten. Dieß wird Meißner unfehlbarwissen. Der Band ist dick und erfordert viel Eiupackcns. IhrenHoffmann zu finden, gebe ich nun alle Hofnung auf. Ich habe anviele Thüren vergeblich angeklopft. Es ist doch sonderbar, daß einsolches Blich eine Rarität werden kann! Man sollte cS in vielenPriesierbibliolhcke» vermuthen. Leben Sie wohl, lieber Freund. Ichschreibe dieses recht in der Enler Flucht, weil Sie dieses »och cuireuloi-uln mit i» Ihr Werkche» bringen können.

Schmid.

Berlin , d. 13. July 1770.

Liebster Freund,

Ihr Schreiben hat mir und MoscS sehr viel Freude erweckt, durchdie Bestätigung Ihrer Beförderung »ach Wolfenbütlcl. ES ist unshöchst angenehm, Sie einmahl in Deutschland firircl zu sehen; dennwir befürchteten immer, daß wenn Sie erst nach Italien kämen, Sielateinisch schreiben, und sich vollends ganz in die Alterthümer begra-ben würden. Volt sey gelobt, daß Sie dies Fach bald verlassenwollen. Sie habe» cS zwar zuweilen so bearbeitet, daß man etwasdabey denken kann; aber freylich der minnliöscn Untersuchungen wirdkein Ende. Ihre Abhandlung vom Tode hat mir außerordentlichgefallen; eS ist äußerst unverschämt, daß Ricdel sich zu sage» unter-steht, Ihr Grundsatz von der Schönheit würde dadurch umgestoßen.Ich wüßte gerade kein deutlicheres Beyspiel, um ihn zu bestätigen,und die symbolische Abbildung des Todes, deren sich die Alten bedien-ten, wirft zugleich auf ihre Meynung von der Unsterblichkeit derSeele ein höchst vortheilhaftes Licht.