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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessing . 1770.

Leben Sie wohl, liebster Freund, und schreiben Sie mir bald.Ich bin stets

Mein lieber Herr Lessing ,

Von meinem Bruder, der mich vorigen Donnerstag schon wiederverlassen hat, habe ich den Auftrag, Ihnen vielen Dank zu sagenfür die uns erwiesene Höflichkeiten. Den Mcinigcn will ich mündlichabstatten, jetzt bin ich nicht dazu aufgelegt. Der Abschied von mei-nem Bruder ist mir noch ganz neu, und der, so ich von meinen Kin-dern nehmen muß, so nahe, daß Sie leicht errathen werden, wie mirzumuthe ist. Ich reise vielleicht den Freytag, sonst ganz gewißden Sonnabend von hier, und bin also den Sonntag Abends inBrannschweig. Vielleicht weil eS Messe ist, finde ich Sie da, sonsthabe ich das Vergnügen, Sie bey meiner Durchreise in Wolfenbültclzu sehen. Sagen Sie niemand, daß ich komme. Wenn Sie aberGelegenheit haben, mir ein Stäbchen in der Rose bestellen zu lassen,so erzeigen Sie mir einen Gefallen. Herr Professor (5. glaubt, daßich sonst schwerlich unterkomme, wegen der vielen Fremden, die da find.

Mein Schwager cmpfichlet sich, und ich bin mit der vollkommen-sten Hochachtung

Mein lieber Herr Lessing ,

Mein Neiscgesellschafter, der Schaffer von Blankenburg , mußsich hier eine Stunde aufhalten, um seinen Wagen umzupacken. DieseZeit wüßte ich nicht besser anzuwenden, als Ihnen zu sagen: daß ichdie erste Station über den Harz glüklich vassirt, und also in Ha-selfelot bin, es ging nahe dabey her, so hätte ich die Vorderachsezerbrochen.

Den Nürnberger Bothen traf ich noch vor Hesse» an, er hat dielächerlichste Gesellschaft, die Sie sich nur gedenken können, und diemich gestern Abend nicht wenig belustigte. Monsieur G. der naseweiseJunge und sei» Pedant sind mit dabey. Eine Unterredung von

Ihr

ganz eigner,Nicolai,

Dero

Hamburg,den 8. Aug. 1770.

ergebene DienerinnE. C. König.