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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lesstng. 1770.

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zngsweise steht. Dieser Brief bestätigt meine Behauptung; denn Vol-taire giebt zu, daß die Buchhändler das Recht haben, will es aberals einen Mißbrauch abgeschafft wissen. Ich habe in der Bibl. abernur rem laeti erzählt, und konnte mich um so viel weniger daraufeinlassen, zu untersuchen, in wie fern diese Ordnung ein Mißbrauchist, da man Gottlob! in Deutschland nichts dergleichen hat, sondernalles frey ist.

Ich habe den Zustand unserer Buchhandlung in Teutschland oftüberlegt, der wirklich in großer Abnahme ist, welches stch schon jetztans den Messen zeigt, und sich in zwanzig Jahren noch mehr zeigenwird. Aber ich weiß kein allgemeines Mittel, die Sache in bessereOrdnung zu bringen, weil die vielen deutscheu Fürsten unmöglich un-ter einen Hut gebracht werden könnten, um eine Ordnung z. E. wi-der den Nachdruck, die sehr nöthig wäre, in Ausübung zu bringen.(5in gutes Mittel, die äußere Schönheit und Correctur der Bücherzu befördern, würde seyn, den Buchdrucker und Buchhändler in einerPerson zu vereinigen. Aber theils findet dies wegen der Kunstge-gcbräuche der Buchdrucker große Schwierigkeiten, theils würden diewenigsten Buchhändler vor der Hand Lust bezeigen, Buchdruckereyenanzulegen. Ich selber würde mich nicht entschließen, wehr Zeit undGeld zu verwenden.

Lavatcr ist eigentlich gar nicht Moses Freund zu nennen. Moses hat ihn vor einigen Jahren, als eine» jungen Schweizer , der stchhier aufhielt, gekannt, aber auch nicht genau, sondern Lavaler hatihn nur ein Paarmal besucht. Dagegen hat ihn ein gewisser Füßli°),der nebst einem gewissen Heß") mit ihm hier war, am meisten ge-sprochen, Lavater aber kaum hin und wieder einige Worte. Jeder-mann, so gar alle hiesige Theologen, mißbilligen Lavatcrs Schritt.Auch Bonnet hat an Lavatern geschrieben, daß dieser Schritt etsey. Sie haben doch MoseS Schreiben an Lavalern gelesen? Lavatccwird nun wohl unsern Moses ruhen lassen. Die Theologen selbstwerden dies gern sehen. Der Streit möchte manche theologische Punctein ein zu grelles Licht setzen, und im Grunde würde Moses sehr un-gern daran gehen.

In den neuen Zeitungen Nro. 2. hat man MoseS Gedankenganz verstellt. Moses hat stch deshalb beschwert. Ich schicke heuteseinen Aufsatz an Duwpf°°°); ich hoffe doch, daß er ihn einrücken wird?

*) Die« ist der Füßii, der jetzt in London als Maler lebt. Nicc>lai.") So viel ich weiß, ist dieser Heß gestorben. Nicolai.D. war damal der Herausgeber der N. Z. Nicolai.