Briefe an Lcssing. 4770.
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fallen? Wo Sie waS wissen, so schreiben Sie mirs. Ter Schwedi-sche Prediger möchte gern davon unterrichtet seyn. Er scheint mirmehr Götze», als seinem Gegner, Recht zu geben, und ist also wohlIhr Mann?
Aon der Geistlichkeit kann man ja wohl auf dle Komödie kom-men? Mir ist recht lieb, daß Sie sie so nahe haben. Sie kamenendlich in meinen Orden, wenn Sie immer allein blieben. ?er H.K. v. K. wird sie wohl fleißig besuchen! und es finden sich wohl auchin der Gesellschaft nicht lauter klcinängigte Tortchen. Schmalen Sieweiter nicht so sehr auf dieses gute Mädchen. Warum sollte sie nichtso gut einem ehrlichen Mann gefallen dürfen, als eine Andere?
Weil ich gleich morgen früh, und den ganzen Tag beschäftiget bin,so schließe ich diesen Brief heute, der schon angefangen wurde, wieder letzte von hier eben abgegangen war. Tenn ich muß die Feitnehmen, wie ich sie finde.
Leben Sie recht vergnügt! Ich bin mit der aufrichtigsten Freundschaft
Tcro
ergebene TicncrinnE. E. König.
Woher die Sage entstanden ist, daß Euer Hochcdclgcbohrne» sichin England aufhielten, kann ich nicht sagen. Allemal hat die Sagedieses hier bey uns ausgebreitet; und ich hatte ihr bisher Glaubenbcygcmessen. lind wer mußte das nicht glauben, da cS nichts unmög-liches, und diese Reise, wie es hieß, in Ihres Herrn Dienste ange-stellt war. Nunmehr aber hat die Zeit die Sage vernichtet, und mirden Wahn benommen. Sie find also den ganzen Sommer in Wol-fenbüttel, und noch dazu in Ihrem neuen Felde recht fleißig gewesen.Die Sache hat es gewiesen. Ich habe was gesehen, ich darf cS abernoch niemanden sagen. Nun vcrstcbcn Sie mich. Entdeckungen, diezur Ehre der gesunden Vernunft gereichen, und den Unsinn beschämen,und verstummen heißen, wie kann man sich enthalten Ihnen Glück znwünschen. Awar könnte es einen, der die Stärke, die zu allen Artenvon Witze und Scharfsinn und Gcnanheit aufgelegte Stärke IhresGeistes, etwa nicht kennen sollte, (wiewohl deren wenige seyn können)hcfrcmden, daß ein Lcssing Entdeckungen in den Scholastikern macht.Aber ein solcher Eifer für die Wahrheit steckt nicht nur in der ge-lehrten Geschichte der dunkelsten Zeiten ein neues Licht auf, sondern