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Ivoo Thaler Strafe bezahlen müssen. Ich komme nicht leicht in Ver-suchung, mich über den Schaden meines Nächsten zu freuen; aberhier gewiß.
So gewiß/ wie sich die ganze Stadt Wien freuet, wenn der Herrvon S. gekränkt wird. Sie können nicht glauben, was der Mann fürFeinde hat. Eben seine Feinde, und nicht die Rorellane — haben ihnso herunter gebracht; denn dieses Stück ist seitdem wieder aufgeführtworden. Wie stark irren Sie sich, mein lieber Freund! wenn Sie glau-ben, daß man hier bey Beurtheilung der Stücke in das Feine geht.Sollten Sie die Urtheile öfters anhören, Sie würden sich krank lachen,oder argern. — Doch wieder auf den Herrn von S- zu kommen. Jenaher ich den Mann kennen lerne, je weniger wundrc ich mich, daßer so bald von seiner Höhe wieder herunter gesunken. Sein Stolz undEigenliebe überschreiten alle Gränzen. Vielleicht, daß diese kleine De-müthigung ihn bessert, waS ich von Herzen wünsche; um so mehr, daer sehr mein Freund zu seyn scheint, nnd mir alle nur erdenkliche Höf-lichkeiten zu erzeigen sucht, von denen ich aber bis ich» noch wenigprositirt habe, weil mir die Zeit dazu fehlt.
In der Komödie bin ich kürzlich zweymal gewesen. DaS Erste-mal gaben sie den krummen Teufel von Bernardoii; von dessen Fa-xon ich doch auch was scheu wollte. WaS Abgcschmacktcrs und Lang-weiligers können Sie sich nicht vorstellen, als dieses Stück und dasSpiel vom Autor, dem man doch schon Beyfall entgcgenklatscht, wennman ihn nur eben sieht. Vielleicht geschiehet es aus Erkenntlichkeit,weil er in lungern Jahren das Publikum amüsirt hat. Wiewohl iches kaum glaube; dann wäre doch wohl ei» kleiner Rest übrig gcblie^den. — Von den beyden andern Stücken — die Nlittive —und dasLotto, will ich gar nichts sagen; denn wie mir die F. v. S. erzählt,so sagt der Herr Staatsrath Gäbclcr, von dem sie sind: er habe dieseStücke für die Logen geschrieben. Und ich wollte nicht gerne auf dieEallerie placirt werden. — Alle diese schöne Sachen werde ich Ihnenmitbringen; denn dabey können Sie Ihre Gaben, am Schlechten wasGutes aufzusuchen, recht anbringen. — Nichts ärgert mich mehr, alsdaß ich Ihre Minna habe versäumen müssen, die sie, nach aller Sage,außerordentlich gut gespielt habe». Man hat mir versprochen, cS ehe-stens wieder zu geben. Jctzo ist das Theater geschlossen. Den zwey-ten Fcycrtag wird es aber mit dem Hausvater wieder cröfnet.
So geht es, wenn man zu viel begehrt! Eine Tcrne wollte ichnicht haben, nun kriegen wir gar nichts. Eben erhalte ich die Num-mer», die bey der letzten Ziehung herausgekommen. O Glück! wie