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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessiug. 1771.

Anschlagzetteln zum Verfasser des Stückes: der Schein betrügt, ge-macht hat. Alle Ehre, die man Dir anthun kann!

Dein

treuer Bruder,Karl.

Wien, den 13. Febr. 1771.

Mein lieber Herr Lesflng!

Wenn ich Ihnen sage/ daß ich auf dem Absprung bin, s» ver-steht eS sich von selbst, daß cS sich mit meiner Gesundheit wieder ge-bessert hat. Künftigen Montag reise ich von hier. Ich denke ja, daßohnerachtet des großen Schnees, man doch wird durchkommen können.ES wäre sonst spaßhaft, wenn ich wieder zurückkehren müßte. Zwarehe ich das thäte, eher wagte ich alles. Mein Verlangen nach Hauseist viel zu groß. Wie werde ich, wie werden meine Kinder sichfreuen! wenn wir uns wieder sehen. Der Gedanke wird mich aufrich-ten müssen, wenn ich die elende Reise überstehen soll. Denn in dieserJahrszeit eine Reise von etliche hundert Meilen zu machen, ist keineNarrenSposse; besonders allein mit einer besoffenen Ucschcl, meinemMädchen. Man kann nicht übler dran seyn, als ich bin. Ich hätteeinen Bedienten genommen, allein ich mag das Kreatürchen nicht sitzenlassen, sonst ist sie völlig verlohrcn; und nehme ich neben ihr einenBedienten, und treffe nicht einen besonders guten Kerl, so bin ichverrathen und verkaust. ES wird ja wohl alles gut gehen. So vielerFreunde Gebet begleitet mich, worunter vermuthlich auch das Ihrige ist.

Ihre Nachricht wegen des Lotto brauche ich nicht abzuwarten. Ichweiß schon, daß cS ganz garstig für uns abgelaufen ist, und daß alsoaus dem Entgegenkommen nichts wird. Bis ich zwar nach Heidelberg komme, können Sie noch einigemal die co,vlio Rthl. gewinnen. Dennich halte mich in München, Augsburg und Nürnberg auf. Wenn cSgeschieht, so überraschen Sie mich nur nicht, sondern schreiben Sie cSmir vorher. Ein so großes Vergnügen möchte ich nicht ertragen kön-nen, denn ich bin des Vergnügens entwöhnt.

Nun hat doch endlich K- das Dänische Lotto erhalten. Ob aberS. noch dabey intcressict ist, weiß ich nicht. Mein Schwager schreibtmir nichts davon; überhaupt schreibt er von S- immer mit so vielemKaltsinn, baß ich fast fürchte, es muß was wieder unter ihnen passirtseyn. Vermuthlich ist die Pferde-Geschichte wieder aufgewärmt wor-den. Die gute Madame S. bedaure ich. Alle ihre Kinder habendie Blattern. Das mag ein schönes Lazareth seyn!