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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe a» Lessing . 1774.

nung vielleicht nicht schmeicheln darf, so schicken Sie mir wohl, blosmeine Neugierde zu stillen/ die mich zu Zeiten, recht zur Unzeit an-wandelt, ein Zcttelchen zu, das mich belehrt, was Musteren heißt.Leben Sie wohl, liebster Lessing.

Schmid.

Berlin , d. 8. März 4771.

Liebster Freund,

Wenn es ein Mittel ist, von Ihnen Antworten zn erhalten, daßman etwas wegen der Bibliothek in Wolfcnbüttcl fragt, so müssenSie mir auf diesen Brief sogleich antworten; denn ich frage hiermit,ob Sie mir bald die Recension des Adelmannischen ManuscriptS schickenwerden, das Hr. Schmid aus dieser Bibliothek herausgegeben hat.Ha! verdient das auch eine baldige Antwort? oder rechnet Ihr Her-ren Bibliothekare ein herausgegebenes Manuscript nicht mehr für einManuscript?

Damit Sie sehen, daß ich dessen ungeachtet nicht böse bin, sosende ich Ihnen anbey den 5ol>n Luncle"), den ich eben von Leipzig zurück erhalte. Ich bin sehr begierig, Ihre Meynung davon zu wissen.Mir und Moses, und so gar auch dem Theologen Spaltung, hat ersehr gefallen, andern aber nicht. Wenn Sie dies Buch gelesen haben,so senden Sie mir es zurück; denn ich habe die letzte Halste des zwey-ten Bandes noch nicht gelesen.

Ich brüte seit einiger Zeit auch über einen Roman, der zwar kein

°) Es ist bekannt, daß mir wegen der Ucbersctzung dieses Buchs unvcr-dientc Vorwurfe gemacht wurden. Ich ließ es aus England komme», begie-rig es ganz zu lesen, weil mich die Originalität mancher Charaktere srappirlc,die ich in den englischen Recensionen ausgezogen fand. Hier ist ein Beweis,daß ich es acht Jahre in meiner Bibliothek hatte, ehe an eine Ucbcrsctzunggedacht ward, und daß es doch verdiente» Männern nicht mißfiel. Lcssingbehielt das Original, bis er es in diesem Jahre mir selbst nach Berlin brachte.Es hatte ihm in mancherley Betracht gefalle»; und er sagte sogar, er wollees selbst mit Anmerkungen übersetzen. Ob sie anders geworden wären, alsdie jetzt bey der Ucbcrsctzung befindlichen? vermuthlich. Erst im Jahr 177Kerfuhr der scl. piftornis, bey seiner Anwesenheit in Berlin , daß ich diesBuch in meiner Bibliothek halte. Nachdem er cS durchgclcscn hatte, erboter sich, die Ucbcrsctzung zu bcsorgcn, und Anmcrtungc» dazu zu machcu.Moscs hatte bey seiner Anwesenheit in Wolfcnbüttcl Lcssingcn dics Buch ge-rühmt, wclchcs ihn neugierig darauf machte. Nicolai-