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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessing . 1771.

Corresvondenz eben nicht seyn, aber daß sie einem zum Lachen Stoffgiebt, das glaube ich wohl.

Ich habe noch keine Gelegenheit gehabt, mit ihm wegen Sch. zusprechen; allein ihr habe ich recht derb die Wahrheit gesagt. Sie sollhauptsächlich Schuld an dem Verdacht seyn. Sie scheinet cS aber auchnun zu bereuen. Indeß ist cS nun zu spät. Ich glaube nicht, daßSch. jemals wieder Umgang mit ihnen hält, und er hat Recht. Wäreder Bruder nicht mit angeführet worden, so ließ ich es noch hingehen,aber diese Niederträchtigkeit einem ehrlichen Manne aufzubürden, wärefür mich ebenfalls unvergeßlich. Dies sagte ich auch dem lieben G",und eS freuet mich, daß ich nun sehe, daß Sie mit mir einerleyMeinung sind.

Die gute Madam Sch. dauert mich. Sie hat es. erst bey ihrerZuhausekunst erfahren, und kränket sich noch täglich darüber. Sonstist sie gesund und munter. Seit sie hier ist, däucht mich erst, daßich in Hamburg bin, ob ich sie gleich nur zwcymal gesehen habe.Morgen werde ich zum erstenmal aus, lind zwar bey ihr speisen, inGesellschaft des Altonaer Lottos; wenigstens hat sie mich darauf bittenlassen. Was das für Gesichter seyn werden? Vermuthlich ist R- mitdabey. Den Ehrenmann kennen Sie ja wohl? Man sagt: seit er dieEntreprise mit der Lotterie gemacht habe, sey er sehr fromm geworden.

Sie wissen doch wohl, daß nun auch in Eutin ein Lotto errichtetwird? Wissen Sie denn auch, wer die Octroy hat? Der Chevalier,der uns in Altona mit Limonade und Butterbrod bewirthete. SeinenNahmen weiß ich nicht.

Nun genug vom Lotto! Ich habe Sie noch von was WichtigerSzu unterhalten, ich meine von der Hcycath unsers Herrn K- MadameSt'* glaubt, daß die Sache nicht möglich zu machen wäre. DieFrau wäre zu sehr mit ihrer Familie unigcben, als daß ein Fremder,der ihr nicht bekannt ist, den Zutritt bey ihr erlangen könne. Sie wc<nigstens weiß keine Anleitung zu geben; denn sie hält keinen Umgangmit ihr. Ich bin aber auf der Spur, mir durch einen andern Wegihre Bekanntschaft zu verschaffen. Bringe ich cS dahin, so schreibe iches gleich, damit K- herüber kömmt. Denn ohne seine Gegenwart un-ternehme ich nichts.

Ackermann hat eine vortrefliche Acquisition an dem neuen Acteur dessen Nahme mir nun nicht beyfällt gemacht. Sein Spiel ge-fällt, noch mehr aber seine Person, weil er einem Herrn gleich sehensoll, der den hiesigen Damen gefallen hat. Ich sage, gleich sehen soll,denn ich finde nicht die mindeste Achnlichkcit, wenigstens bis jetzo noch,