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Jnvectiven wlder Dich, Nicolai und Herder. Elende Bücher, von de-nen sie selbst gestehen, daß sie elend sind, begleiten sie mit bogcnlangenRecensionen. Allein etwas Gutes, das mich sehr gefreut hat, fand ichdoch darin: Proben einer Uebcrsctzung der Jliade, und eine Übersetzungder 3 ersten Akte des OcdipS von Sophokles . Ich möchte wohl DeineMeynung darüber wissen.
Von unsrer Mutter habe ich Briefe gehabt- Sie verlangt, Dusollst den Lcbcnslauf unseres Vaters aufsetzen. Ich habe ihr vorge-stellt, Du hättest jetzt alle Hände voll zu thun. Allein ich kann eS ihrnicht ausreden oder sie nur zur Geduld bringen. Wenn cS Dir mög-lich ist, so thue es. Ich habe mich dazu, und auch zum Druck, erbo-ten; aber das will sie nicht.
Dein
treuer Bruder,
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Hamburg, den IS. May 1771.
Mein lieber Freund!
Ich kann Ihnen wohl keinen größern Beweis geben, wie ange-nehm mir Ihre Briefe sind, als den, daß ich Ihnen denselben Post-tag antworte. Heute zwar geschiehet cS mit aus einem andern Grunde.Ich will meine Ehrlichkeit nicht auf die Probe setzen. Da ich insLotto auf
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für unsre gemeinschaftliche Rechnung gesetzt habe, und keine Post vorder Ziehung mehr abgehet, so möchte ich nachher verleitet werden, denGewinnst für mich allein zu behalten. Dieses allein will ich mir vor-behalten, Sie sollen nicht wissen, wie viel wir gewinnen können, bisich Ihnen die baarcn LouiSd'or einschicke. Denn daß wir wenigstenseine Quaterne bekommen, bin ich so viel als gewiß. Was wird derV. für rothe Bäckchen kriegen! Ohnerachtct sie bis jctzo nichts alsglückliche Ziehungen gehabt haben, ist er doch noch unzufrieden, undversichert, daß das lange nicht übrig bliebe, was man sich vorstelle.Frcvlich läuft ihnen mancher mit einem Pdstchen weg, so wie HerrSt., der nicht allein einige tausend Thaler Collectengeldcr unterschla-gen haben soll, sondern er hat auch sogar Scheine, die er in Verwah-rung hatte, an Juden versetzt. Wie ich heute höre, ist er arretirt, undwird auf den Staubbesen angeklaget.
An den V. schreibe» Sie nur bald, wenn Sie haben wollen, daßer aufhören soll zu schmälen. — Lehrreich und erbaulich mag seine