308
auf den Vorwurf, ich wäre eine harte und schlimme Frau. Ich bin kei-nes von beyden. Bey Absenkung der Heringe wurde ich vom Schreibenabgehalten. Nachher habe ich aber gewiß zehn Briefe an Sie geschrie-ben. Warum ich keinen abgeschickt habe, kann ich selbst nicht erklären.
Jedesmal befiel mich eine andere Idee, die mich auf die allerkränkendeste führte, besonders seitdem ich von D- höretc: er habeBriefe, Sie seyen wohl. Hätte ich wissen können, daß Sie krank wä-ren, und meine Briefe wünschten, Sie sollten jede Woche viere erhal-ten haben. Nun wollen wir eS gut seyn lassen. Ich verzeihe Ihnen,und Sie verzeihen mir um so leichter, wann ich Ihnen sage, daß ichnun die Probe ausgehalten, daß ich nicht böse, aber wohl empfindlichauf Sie werden kann.
Lassen Sie immer E. zurücke, wenn er nicht unsertwegen, sondernunserer Gärten und Essens wegen kömmt. Er hat Recht, die Gärten,so er gemeiniglich besucht, sind noch alle unter Wasser. Niemand istmehr dabey zu bedauern, als Alb., der auf dem Punkt war, seinenGarten zu verkaufen, und nun wohl kaum die Halbschcid dafür be-kömmt. Bis jetzo siehet noch das Wasser in seinem Garten, bis anden zweyten Stock des Hauses. —
Wohl hat unser V- Schclmenglück- Nur Schade, daß diesmalsein Glück das Unglück eines andern ist, den eS sehr derangirt. DerMann, so ihn gekauft, hat nur eben sein Auskommen.
ES hat erbärmlich bey uus ausgesehen, und siehet noch nicht vielbesser aus, doch ist die größte Gefahr überstanden; denn das Wasserfällt nun täglich. — Das Elend hat unsere Herzen erweicht, undFeinde versöhnt. Sch. und K. sind nun wieder auf einem guten Fußemit einander. Ich habe gestern das EIS gebrochen, und sie zusammenallein mit F. zu mir gebeten. Heute sind wir bey K-; was ich abge-schlagen hatte, wann ich nicht die Versöhnung ganz hätte wollen zuStande haben. — Sie können einen großen Theil dieses guten Werksauf Ihre Rechnung schreiben. Erwarteten wir Sie nicht, so wäreSch- lange so biegsam nicht gewesen.
Ich hätte Ihnen recht viele Neuigkeiten zu erzählen, die ich aberder Feder nicht anvertrauen mag. Eine wichtige müssen Sie dochwissen. Man sagt: Z. habe Hoffnung zu einem zweyten Erben. Ichvrovhczeihetc es so gleich, als ich die Inokulation der Liebe von Thüm-mel las. Der gute Thümmcl läßt sich wohl nicht träumen, daß erbey einer so schönen Frau so viel Gutes stiftet.
Mit der heutigen Post schick- ich Ihnen Ihre» Pelz, den ich langegenug vergessen habe. In denselben habe ich eine Schachtel mit Pul-