Briefe a» Lessmg. 1771.
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gleich nebst einem Schreiben von Herrn Professor Ebcrt von ÄhnlichemInhalte erhielt. Wie angenehm es sey, von so werthen Freunden solautere Beweise ihres Wohlwollens zu erhalten, das werden Sie ausvielfältiger eigener Erfahrung selbst schon wissen. Ich bin entschlossenden dritten August mit der Post von hier abzugehen, und gedenkeDienstags den sechsten in Wolfcnbüttel anzukommen. Allein das Ma-nuscript vom LibaniuS kann ich nicht mitbringen. Unzählige Verhin-derungen haben mir noch nicht gestattet/ eS gänzlich zu nutzen. Dochsoll Herr Gäbler auf nächste MichaeliSmcsse cS Ihnen wieder zustellen.In allen werde ich etwa drey Wochen vom Hause abwesend seyn kön-nen. Braunschweig , Hclmstädt, und Göttingcn, wollte ich auch mitbesuchen. Mein Aufenthalt in Wolfenbüttel wird so lange seyn, alses nöthig ist, mit Recension der arabischen Manuskripte fertig zu wer-den. Meine Frau lässet Euer Wohlgebohrnen ihrer Hochachtung ver-sichern. Sie hauptsächlich ist an dieser Reise schuld. Sie freuet sichdarauf, wie ein Kind auf den heiligen Christ. Sie hat mich bey demEntschlüsse dazu erhalten. Den» sonst hätten doch wohl manche Drein-fälle mich wankend machen, und wohl gar davon abbringen können.Gebe Gott Glück zu meiner Reise, und zu unserer Zusammenkunft.Ein LogiS bestelle ich nicht. In einem Wirthshause können wir unsschon behelfen. ES bleibt also dabey, noch etliche Tage vor Laurenzisehen wir einander. Leben Sie indessen wohl. Ich verharre :c.
O. Reiske-
Mein lieber Freund!
Wie kommen Sie zum Krankwcrdcn? oder vielmehr zu der Ein-bildung, als wären Sie krank? Doch, ich befürchtete cS immer, diegar zu abstechende Lebensart werde Sie unter die Zahl der Hypochon-dristen bringen, und darunter sind Sie nun leider. ES hat aber nichtszu bedeuten. Sie werden bald davon geheilt werden. Kommen Sienur geschwind auf hier. Nachdem Sie den Pyrmontcr Brunnen ge-trunken, verschafft Ihnen diese Reise gewiß die völlige Genesung. Alleinim Gasthofe können Sie nun, da sie nicht wohl sind, unmöglich logi-rcn, sondern sie müssen bey mir abtreten. Ich kann Ihnen zwar nureine ganz schlechte Stube anbieten; dafür sollen Sie aber alle möglicheBequemlichkeiten haben, und mit einem Herzen aufgenommen werden,das Sie besser schätzen würden, wenn Sie es recht kennten. Dieseszur Antwort auf die Frage: ob Sie mir willkommen seyn werden, und
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