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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
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315
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Briefe an Lessiug. 1771.

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Benediktiner-Kloster zu Florenz befindet, aus welchem der XonoplwriLplie5iu8 und der Liiüriton ans Licht getreten ist. Ich will nächsterTage deswegen an den P, Khcll in Wien schreiben, der Connexionin Florenz hat, und mir Bekanntschaft und Dienstleistung dorten zuverschaffen versprochen hat, wenn ich von dorther etwas brauchte.Montfauco» in seinem Di-n-lo Ilalieo erwähnt dieses äsopischen CodiciS.Den 2. und 3. Band von Bandini habe ich bestellt, doch weiß ichnoch nicht, wenn er ankommen wird. Diese Messe ist hier eine kleineSchrift über die griechische Anthologie von einem jungen Menschen,der mit dieser Messe von hier nach Göttingen abgegangen ist, heraus-gekommen. Es ist eben derselbe, der vor einem Jahre deutsche An-merkungen über den Anacrevn herausgab. Diese neue Schrift ist vollguter Anmerkungen, und zeuget von einer wcitläuftigcn und sorgfälti-gen Belesenhcit. Ich habe sie dem Päckgen beygelegt, das Sie nebstdiesem Schreiben durch Herrn Gäbler erhalten. Die drey Exemplaredes vierten Bandes meiner viatorum, nebst Marklandi Ltatio, bitteich als einen kleinen Beytrag zu den vielen Kosten, darein unsereneulich- Anwesenheit Sie versetzt hat, und den Xenoplioa Lplieliusals ein geringes Andenken von meiner Frau uncntgcldlich anzunehmenund zu behalten. Zwar weiß ich wohl, daß wir Ihnen nicht nur dieedle Zeit gcraubet, nicht nur Mühe und Verdruß verursacht, sondernauch soviel gekostet haben, daß die Kleinigkeiten, womit ich mich er-kühne Ihnen aufzuwarten, gar nichts dagegen sagen wollen. Indessensehen Sie doch unsern guten Willen. Wegen der deutschen UebersctzungdeS Xonoiilmntis Lpllolii, wird meine Frau selbst an Sie schreiben.DaS ist ihre eigne Sache die mich nicht angeht. Den deutschen vio-n; lins Iliiliearnaironlis und den Montanabbi werden Sie prüfen. Stehter Ihnen an, und kennen Sie ihn anwenden/ so wird es mir liebseyn. Wo nicht, so schmeichle ich mir doch wenigstens mit der Hofnung,daß Sie den arabischen Dichter studieren können, und vielleicht aucheinen Geschmack ihm abgewinnen werden. Allemal werden Sie (ichwill nicht sagen die Arabische Poesie) doch wenigstens einen angesehe-nen arabischen Dichter besser kennen lernem Können Sie ihn nichtunterbringen, und auch nicht mehr brauchen, so schicken Sie mir ihnwieder zurück. Um sich von dem Abulola zu überzeugen, daß, ob ergleich von Kindesbeinen an blind gewesen ist, er dennoch Farben undsichtliche Gegenstände gekannt haben muß, indem er diese recht treffendschildert, und jene recht geschickt anbringt, dazu brauchen Sie nur,mein werthester Freund, das Gedicht von ihm, welches Golius seinerAusgabe von Ervenii arabischer Grammatik einverleibt hat, und das