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Briefe an Lcssing. 1771.
auch in?alirlc!i sueeimmo ni^uieo stehet, i» der lateinischen Ueber-sehnng nachzulesen. Das könnte schon genug seyn. Zum Ucbcrflussefüge ich aber doch noch ein paar Stellen bey, die mir gleich beymAufschlagen seiner Sammlung eigner poetischen Aufsatze 8el«l Xvnäigenannt, entgegen kommen. Der Mann hat eine erstaunlich lebhafteEinbildungskraft zum Nachtheile der gesunden BeurthctlungSfähigkeitgehabt. Denn seine Vcrglcichungcn sind ausschweifend tollkühn, undweil vieles davon in Anspielungen auf Buchstaben und Sylben besteht,so geht ein guter Theil der Pointen für Leute, die des Arabischen un-kundig sind, verlohrcn, und lässet sich in eine fremde Sprache schlech-terdings nicht übertragen- Vor kurzen hat der Herr Baron von Re-witzky *) mir von Wien aus seine vor kurzen ans Licht gestellte Probedes Hafyz, eines Persianischcn Dichters, zugeschickt. Mir will sowenig der Dichter selbst, als sein Ausleger gefallen. Welch ein Ein-fall! Einen persianischcn Stanzenschreiber in horaztanische Oden inALnei'c- lapplnco zu übersetzen. ES muß dem guten Herrn Baron vielKopfbrechens gekostet haben. Wenn doch die Leute sich die Thorheitvergehen ließen, lateinische Verse zu machen. Nichts ist in meinenAugen alberner, als in einer abgestorbenen Sprache dichten zu wollen.Schlimm genug, daß wir lateinische Prosa schreiben müssen. Soll ichsolche Leute beneiden? Wahrhaftig es muß ihnen an Noth fehlen,weil sie sich selber eine solche große Noth machen, die keinen Menschenwas hilft, die kein Mensch von ihnen verlangt, und die sie nur foltert,und bey andern lächerlich macht. Ick) dachte die I^atros klagollanleswären längst schon auSgestorben. Aber nun sche ich, daß cS dock nochLeute giebt, die für bloßer lieber langer Weile, wie Paulus sagt, ihreignes Fleisch hassen. — Unser Herr von Sanken hat sich hier nichtwieder blicken lassen: ob er gar nicht nach Leipzig gekommen ist, oderob er nicht für gut gefunden hat, mich zu besuchen, das mag er ambesten wissen. — Dem guten Herrn Pastor Häscler und seiner FrauLiebste machen Sie doch ohnschwer bey Gelegenheit unser großes Com-pliment, und sagen ihm, daß ich desselben Manuscript nebst dem sehrfreundschaftlichen Schreiben wohl erhalten, noch zur Zeit aber keineMuse gefunden habe, mich darinnen umzusehen; daß ich ihn aber ver-sichern lasse, daß solches mit ehestem geschehen solle, und daß ich michnicht säumen will, ihm das Manuscript sobald ich kann mit der Postwieder zuzuschicken. Brauche» Sie, mein hochgeehrtester Herr Biblio-thekar, etwas aus beylegendem Catalogo, so geben Sie mir nur die