Briefe an Lessmg. 1771.
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Sie mir leichter verzeihen, daß ich Ihren Rath nicht besser befolge.Wenn Sie wirklich die Eigenschaft besitzen, unter lauter traurigen Aus-sichten vergnügt zu seyn, so theilen Sie sie mit mir; nennen Sie sieaber ja nicht Leichtsinn, sonst schicke ich Ihnen die ganze Hälfte wie-der zurück. Er erhält gesund, das gebe ich zu; allein er passet nichtzu jedermanns Umstände», am wenigsten zu den meiuigen.
Gestern habe ich Sch... S und K--.S seit Ihrer Abreise zumerstenmale gesehen- Sie freueten sich, wie sie hörten, daß Sie glück-lich angekommen wären, und empfehlen sich Ihnen. OaS Neue, wasmir Madam S" erzählte, war: daß wieder ein neuer Zwist zwi-schen Gr. und B- entstanden sey. Was er zum Grunde hat, wußtesie nicht, und was liegt uns daran? Wenn wir uns nur nicht zanken!und das werden wir ja wohl in unserm ganzen Leben nicht.
Eine Nachricht, die für mich interessant ist, ist diese: daß W. inder größten Verlegenheit war, aus der er auch noch nicht ganz ist.Die Wechsel, so auf ihn laufen und theils verfallen sind, betragenüber 20,000 Mark N- Nun ist zwar Schw. gekommen und hat füralles hinlängliche Sicherheit, es ist aber noch die Frage: ob so vielBanko-Geld hier zu erheben seyn wird. Ich wünsche cS um seinct-und meinetwillen.
Wie glücklich sind Sie, daß Sie in Ihrem einsamen Wolfeiibüt^tcl sind; und wie glücklich würde ich mich schätzen, wenn ich aucherst da wäre, oder wenn ich nur wenigstens hoffen könnte, einmal dahinzu kommen; aber auch die Hosnung verläßt mich sehr oft.
ES mag indeß kommen wie cS will: bleiben Sie nur meinFreund, so werde ich mein Schicksal, cS sey wie eS will, weit leich-ter ertragen.
Eben wird mir erzählet, daß W-.S Sache gut geht, und daßProfessor B- mit Anfang künftiger Woche die Akademie übernehmensoll. Wenn der gute Mann sich nur nicht in einen EmbarraS sehet,dem er seiner schwächlichen Gesundheit wegen nicht gewachsen ist.
Für heute kann ich Ihnen nicht mehr schreiben, weil ich mit derWiener Post zu viel zu thun habe. Ich will Sie nur noch bitten,mir ja bald zu sagen, wie Sie sich in Ihrer Einsamkeit befinden, unddaß Sie sich der Einsamkeit nicht so sehr überlassen sollen, damit IhreGesundheit nicht leidet.
Sie werden mir diese Bitte gewähren, sobald Sie das Vertrauenin mich sehen, welches Sie in Ihrem Briefe äußern. Zumal da ichSie auf das theuerste versichern kann, daß ich dieses Vertrauen vcrLessittgs W-ek- xui. 21