Briefe an Lcssing. 1771,
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Ihre Kiste mit Büchern ist den Tag/ da Sie abreiseten, zugleichan die Herrn Friedrich Anton Todcr Horst Wittwe seligen Erben ab-geschickt, mit dem Austrag/ sie sogleich an Sie nach Wolfenbüttel zuschicken. Ich weiß also nicht, woran cs liegt; ich erkundige mich deS-falls heute, und wann Sie sie noch nickt haben, werden Sie sie ehe-stens Tages kriegen.
Meine Kinder sind alle wohl, und erinnern sich Ihrer sehr oft.Sie empfehlen sich Ihnen, und Malchen danket ergcbenst für dieSorge, so Sie für sie tragen. Sie leidet sehr am Frost; ich wünschenur, daß die Salbe ihr helfen mag. Die Linsen und Erbsen haben sogroße Eile nicht; wenn Sie sie nur nicht ganz vergessen wollen.
Wenn W. erpresse zu Ihnen gekommen ist, so glaube ich, daß ernur hat hören wollen, ob ich meine Fabrik behalte, oder angebe. Ichglaube, P. hätte wohl Lust dazu. Daß er eine neue anleget, davorist mir nicht bange. Er hat sich die Finger zu häßlich verbrannt.
Was ich nciilich von Albcrti und K- schrieb, ist nicht andem. Siesind noch auf dem alten Fuß. Ich glaube, an der Nachricht von Ba-sedow und Götze ist eben so wenig was dran.
Allein, Madam Z Krankheit ist wirklich ernsthaft. Ich erschrak,wie ich sie gestern besuchte, daß ich sie so abgemattet und ausgezehretfand, und machte mir Vorwürfe, neulich darüber gescherzt zu haben.W., der alle mögliche Sorgfalt für sie hat, dringet darauf, sie solleinen andern Doktor nehmen, weil er glaubt, ihr Bruder vernachläs-sige sie. Ich hoffe, daß sie sich nicht dazu bereden läßt; denn ihr Bru-der versöhnte sich in ihrem Leben nicht wieder mit ihr.
Und Sie klagen wieder über Ihre Augen! Waschen Sie sie fleißigmit kaltem Wasser, und brauchen Sie ja nicht alle die Mittel, dieman Ihnen anrälh, so wie Sie gewöhnlich thun. Wollte der Him-mel, ich könnte Ihnen die Abende nicht durch Gedanken, sondern per-sönlich, verkürzen helfen! Alle meine Wünsche wären erfüllt. Ichdenke noch immer, sie sollen erfüllt werden. Nach solchen trau-rige» Tagen, wie ich nun habe, müssen wieder heitere kommen, unddie können nicht wieder kommen, wenn ich nicht wenigstens das Glückhabe, mit Ihnen an einem Ort zu leben.
Leben Sie wohl, mein theurer und redlicher Freund! Ich bin
Ihre
ganz ergebenste FreundinnE. C. König.